Das Jahr 2012 wurde von dem Generalsekretär Ban-Ki Moon der Vereinten Nationen als Internationales Jahr der Genossenschaften ausgerufen, um die internationale Gemeinschaft darauf aufmerksam zu machen, dass die Genossenschaften es möglich machen, nachhaltig zu wirtschaften und zugleich sozial verantwortlich zu handeln.
Für die in diesem Jahr vorgesehenen Aktivitäten der Genossenschafts-organisation in Weser-Ems hat Ministerpräsident David McAllister die Schirmherrschaft übernommen.
Auf einer zentralen Auftaktveranstaltung in Berlin stellte Bundeswirtschafts-minister Dr. Philipp Rösler fest, dass die Genossenschaft ein Vorbild der sozialen Marktwirtschaft sei, mehr noch: sie sei die gelebte soziale Marktwirtschaft. Genossenschaften, als lokal verwurzelte Unternehmen, fördern die Wirtschaftskreisläufe vor Ort. So würden die Genossenschaftsbanken, die ländlichen und die gewerblichen Genossenschaften und auch die Wohnungsgenossenschaften die Wirtschaft in den Regionen stärken und für Beschäftigung sorgen. "Die Genossenschaften sind nicht nur für die Kreditwirtschaft, sondern für viele Wirtschaftsbereiche ein Vorbild. Sie sind beständig in ihrer Leistungsbereitschaft. Sie denken nicht ausschließlich in Renditehöhe, Quartalszahlen oder kurzfristigen Verzinsungen, sie denken vielmehr über den Tag hinaus. Von dieser Wirtschaftsweise können wir in Deutschland und in der ganzen Welt lernen", betonte der Minister.
"Was einer alleine nicht vermag, das vermögen viele" gehört zu den wohl am häufigsten zitierten Aussagen von Friedrich Wilhelm Raiffeisen, der sich Mitte des 19. Jahrhunderts mit großem persönlichen Engagement dafür einsetzte, dass auf Basis der Selbsthilfe die ersten Genossenschaften in der heute bekannten Form gegründet wurden. Sowohl diegenossenschaftliche Unternehmensform als auch die Anzahl der Genossenschaften variierte in den zurückliegenden 150 Jahren: geblieben ist die Einstellung der partizipierenden Mitglieder, die stringente Ausrichtung auf die Mitglieder, und das "Ein-Kopf-Prinzip". Nach wie vor ist es die wirtschaftliche Förderung der Mitglieder, die eine Genossenschaft "antreibt". Hierzu Verbandsdirektor Rainer Backenköhler: "In einer Genossenschaft kommen Bürger, Unternehmen und Kommunen zusammen, um gemeinsam einen Beitrag zur Lösung von wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen zu leisten. Diese demokratische Unternehmensstruktur, die Mitgliederförderung, Selbsthilfe und Selbstverwaltung sowie die kompetente Unterstützung durch unsere Genossenschaftsorganisation machen die Genossenschaft zu einer der sichersten Rechtsformen in Deutschland, die auch heute kaum von Insolvenzen betroffen ist."
Die genossenschaftliche Gruppe vereint mit ihren 20 Millionen Mitgliedern fast ein Viertel der deutschen Bevölkerung. Mehr als 800.000 Menschen arbeiten in der deutschen Genossenschaftsorganisation und sind damit ein wichtiger Bestandteil der Gesellschaft. Die rund 7.500 Genossenschaften - darunter über 1.100 Volksbanken und Raiffeisenbanken, annähernd 2.000 Wohnungs- genossenschaften, über 2.600 landwirtschaftliche und ca. 1.600 gewerbliche Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften sowie über 200 Konsumgenossenschaften - sind eine treibende Kraft in Wirtschaft. Nicht alle Genossenschaften werden auf den ersten Blick auch als Genossenschaft erkannt. Zu diesen Unternehmen zählen beispielsweise EDEKA, REWE, BÄKO, NOWEDA , DATEV, INTERSPORT, Reformhäuser, Deutscher Brunnen eG und viele mehr.
"Die genossenschaftliche Unternehmensform ist `in` und erfährt großen Zuspruch," unterstreicht Abteilungsleiter Harald Lesch, für die Gründungsberatung von Genossenschaften in Weser-Ems verantwortlich. So habe es in den vergangenen Jahren rund 650 Neugründungen in Deutschland gegeben, davon allein über 70 in Weser-Ems. Alle Genossenschaften entstanden mit dem Unternehmensziel, gemeinsam die heute wirtschaftlichen Herausforderungen anzugehen und die gesellschaftlichen Aufgaben zu bewältigen. Ein großer Teil dieser Genossenschaften hat eine dezentrale erneuerbare Energieerzeugung und -versorgung verbunden mit einem bewährten Beteiligungsmodell für die Bürgerinnen und Bürger realisiert. Andere setzen sich für die Übernahme kommunaler Aufgaben, für altersgerechte Wohnprojekte sowie eine bessere Gesundheitsversorgung in ländlichen Regionen ein. Die Möglichkeit eines gemeinsamen Handelns mit dem Ziel, etwas für die Gemeinschaft zu tun, sei heute unter Berücksichtigung der betriebswirtschaftlichen Voraussetzungen fast grenzenlos.
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