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Genossenschaftsbanken in Weser-Ems mit guten Geschäftsergebnissen im anspruchsvollen Umfeld unterwegs

20.02.2020

Einlagen- und Kreditvolumen weiter gesteigert / Kundennähe und regionale Verbundenheit zahlen sich aus

 © MARKUS HIBBELER

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Die Verbandsdirektoren des Genossenschaftsverbandes Weser-Ems Axel Schwengels (l.) und Johannes Freundlieb (r.) präsentierten gute Geschäftsergebnisse der Genossenschaftsbanken in Weser-Ems für das Jahr 2019.

„Vorwärts gehen“ war das Motto der Pressekonferenz am 20. Februar 2020 auf der die erfolgreichen Geschäftsergebnisse der dem Genossenschaftsverband Weser-Ems angehörenden Genossenschaftsbanken für das Jahr 2019 erläutert wurden. „Das Motto beschreibt die wirtschaftliche Situation der 58 in die Statistik einbezogenen Genossenschaftsbanken in Weser-Ems sehr gut. Unsere Mitgliedsbanken haben ihre Marktposition auch in 2019 gefestigt und sind wirtschaftlich solide aufgestellt. Mit Blick auf das anspruchsvolle Umfeld sind die guten Geschäftsergebnisse nicht selbstverständlich. Sie sind Folge kluger unternehmerischer Entscheidungen, unseres genossenschaftlichen Geschäftsmodells und unseren Werten, die auf einer breiten Mitgliederbasis, gelebter Kundennähe, Vertrauen und regionaler Verbundenheit basieren“, mit diesen Worten eröffnete Verbandsdirektor Johannes Freundlieb die Pressekonferenz im Akademiehotel Rastede.

Das addierte Bilanzvolumen umfasste zum Jahresende 2019 rund 30,47 Milliarden Euro (plus 5,8 Prozent). Dieser Anstieg liegt über dem Bundesdurchschnitt von 4,9 Prozent. Die durchschnittliche Bilanzsumme ist um 7,6 Prozent auf 525,34 Millionen Euro angestiegen (Vorjahr: 488,31 Millionen Euro). Das Betriebsergebnis vor Bewertungverringerte sich 2019 um 0,04 Prozentpunkte auf 0,97 Prozent. Mit 1,09 Prozent (plus 0,20 Prozentpunkte) erhöhte sich das Betriebsergebnis nach Bewertung in 2019 gegenüber dem Vorjahr.

Dienstleistungsbranche, Baugewerbe und Landwirtschaft als Treiber des Kreditgeschäfts

Das Kreditgeschäft ist ein wichtiges Standbein für die wirtschaftliche Entwicklung in Weser-Ems. Die Genossenschaftsbanken vergaben per Ende 2019 Kredite in Höhe von 22,76 Milliarden Euro (plus 5,7 Prozent) an Firmen- und Privatkunden.

Die langfristigen Kredite mit einer Laufzeit von fünf Jahren und länger haben dabei einen Anteil von 61,5 Prozent an der Bilanzsumme und sind gegenüber dem Vorjahr um 851 Millionen Euro (plus 4,8 Prozentpunkte) gestiegen. Das größte Kreditwachstum konnte in der Dienstleistungsbranche verzeichnet werden: Die Kredite stiegen um 450,55 Millionen Euro an, was einem Plus von 12,3 Prozent entspricht. Weitere Treiber des Kreditwachstums waren die Branchen "Baugewerbe“ mit einen Plus von 65,18 Millionen Euro (plus 6,5 Prozent) sowie "Landwirtschaft“ mit einem Wachstum von 103,13 Millionen Euro (plus 2,7 Prozent). Zusätzlich vermittelten die Banken ein ebenfalls gesteigertes Kreditvolumen in Höhe von 6,72 Milliarden Euro (Vorjahr: 6,19 Milliarden Euro) an die Unternehmen der Genossenschaftlichen FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken, was einem Zuwachs von 8,7 Prozent entspricht.

„Die genossenschaftlichen Kreditinstitute finanzieren nachhaltig Privatpersonen und Unternehmen und tragen damit aktiv zur Prosperität und zum Fortschritt für die Menschen in der Region bei“, unterstrich Freundlieb.

Gesteigertes Einlagenvolumen bestätigt Vertrauen in genossenschaftliche FinanzGruppe

Wie in den vorangegangenen Jahren konnten die Genossenschaftsbanken auch 2019 das Volumen im Einlagengeschäft um 7,2 Prozent auf 20,25 Milliarden Euro weiter steigern. Im Einzelnen erhöhten sich die Sichteinlagen um 10,7 Prozent auf 12,45 Milliarden Euro, während die befristeten Einlagenmit einem Volumen von 1,39 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr mit einem Minus von 6,34 Prozentpunkten leicht rückläufig waren. Die Spareinlagen konnten dagegen mit einem Anstieg von 4,19 Prozent auf 6,4 Milliarden Euro zulegen. „In dem Wachstum der Kundeneinlagen spiegelt sich das hohe Vertrauen der Mitglieder und Kunden in die Genossenschaftsbanken und in die gesamte genossenschaftliche FinanzGruppe wider“, bilanzierte Freundlieb mit Blick auf die Zuwächse, die er auch für Einlagen bei Unternehmen der Genossenschaftlichen FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken präsentieren konnte. Legten Mitglieder und Kunden bei den Unternehmen der genossenschaftlichen FinanzGruppe 2018 noch 7,85 Milliarden Euro an, so sind es in 2019 bereits 8,84 Milliarden Euro (plus 12,6 Prozent).

Solide Ertragslage hält an

Zur Ertragslage der Genossenschaftsbanken gab Freundlieb folgende Eckpunkte bekannt: Der Zinsüberschuss ist in 2019 um 0,08 Prozentpunkte auf 1,90 Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme zurückgegangen. Die Zinserträge reduzierten sich um 0,12 Prozentpunkte auf 2,23 Prozent und die Zinsaufwendungen fielen um 0,04 Prozentpunkte auf 0,33 Prozent.

Der Provisionsüberschuss erhöhte sich im Jahr 2019 um 0,03 Prozentpunkte auf 0,71 Prozent. Der Anstieg der Erträge um 0,04 Prozentpunkte resultierte zu gleichen Teilen aus dem Anstieg in den Bereichen Wertpapier-/Depotgeschäft sowie dem Vermittlungsgeschäft. Die Provisionsaufwendungen erhöhten sich um 0,01 Prozentpunkte.

Mit 1,68 Prozent ist der Verwaltungsaufwand konstant zum Vorjahr geblieben. Die Personalaufwendungen fielen dabei um 0,03 Prozentpunkte auf 1,00 Prozent während die anderen Verwaltungsaufwendungen im Jahr 2019 um 0,02 Prozentpunkte auf 0,57 Prozent anstiegen. Die Abschreibungen auf Sachanlagen/immateriellen Wirtschaftsgütern fielen um 0,01 Prozentpunkte auf 0,10 Prozent.

Betriebsergebnis nach Bewertung verbesserte sich

Das Betriebsergebnis vor Bewertungverringerte sich 2019 um 0,04 Prozentpunkte auf 0,97 Prozent. Das Bewertungsergebnis wird nach jetzigem Stand mit insgesamt 0,12 Prozent positiv erwartet. Damit ergibt sich eine Verbesserung um 0,24 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Mit 1,09 Prozent (plus 0,20 Prozentpunkte) erhöhte sich das Betriebsergebnis nach Bewertung in 2019 gegenüber dem Vorjahr.

„Insgesamt wurde in 2019 ein niedrigeres Betriebsergebnis vor Bewertung im Vergleich zum Vorjahr erreicht. Dieses resultierte im Wesentlichen aus einem verringerten Zinsüberschuss, der durch die gestiegenen Provisionsüberschüsse nicht kompensiert werden konnte. Das Betriebsergebnis nach Bewertung wird nach jetzigem Stand im Vergleich zum Vorjahr deutlich höher ausfallen. Hier wirkt sich vor allem das erwartete positive Bewertungsergebnis im Wertpapiergeschäft aus. Auch wenn das wirtschaftliche Umfeld weiterhin von Unsicherheiten geprägt ist, stellen unsere Mitgliedsbanken in Weser-Ems nach wie vor ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis. Das Wachstum wurde dabei mit einem nahezu unveränderten Personalbestand von rund 6.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern umgesetzt“, resümierte Freundlieb.

Zukunft des Bankings: Persönlich und digital müssen sich ergänzen

Bei den Genossenschaftsbanken steht der Mensch mit seinen Bedürfnissen und Erwartungen im Mittelpunkt. Er entscheidet über die Art, wie er seine Bankgeschäfte betreiben möchte – ob persönlich in der Filiale und/oder über digitale Kanäle. „Wir sind der Überzeugung, dass sich persönlich und digital nicht ausschließen, sondern die sinnvolle Kombination der Zugangswege zum Erfolg führt. Auch wenn die Genossenschaftsbanken natürlich längst zahlreiche Services digital anbieten und dieses Angebot stetig erweitern, bleibt die persönliche Beratung und der direkte Kontakt in der Filiale ein wichtiger Grundpfeiler des Geschäftsmodells. Die Genossenschaftsbanken in Weser-Ems zeigen mit ihren 343 Geschäfts- und 146 SB-Stellen weiterhin eine starke Präsenz in der Fläche und sind lokal fest verankert“, stellte Freundlieb fest.

Gesellschaftliches Engagement von 2,4 Millionen auf 2,7 Millionen gesteigert

„Ungeachtet wirtschaftlicher Herausforderungen und steigender regulatorischer Anforderungen kommen die Genossenschaftsbanken ihrer gesellschaftlichen Verantwortung für die Region gerne nach. Allein in 2019 förderten sie nachhaltige Projekte in vielfältigen gesellschaftlichen, kulturellen und sozialen Bereichen mit 2,7 Millionen Euro in Zusammenarbeit mit der Lotterie, die für den Vertrieb des Produkts ‚VR-Gewinnsparen‛ verantwortlich zeichnet“, führte Freundlieb aus und leitete mit diesen Worten über zu seinem Vorstandskollegen Axel Schwengels.

Ausblick: Das Umfeld bleibt anspruchsvoll

Neben der Digitalisierung und einem sich weiter wandelnden Kundenverhalten machen Regionalbanken vor allem das anhaltend niedrige Zinsniveau sowie die zunehmenden regulatorischen Vorgaben und wirtschaftlichen Unsicherheiten, zum Beispiel aufgrund internationaler Handelskonflikte, zu schaffen. Im Spannungsfeld von Ertrag, Risiko und Kosten muss jede Bank für sich die Balance finden und halten. Fest steht, dass das Betriebsergebnis im Falle unveränderter Rahmenbedingungen weiter unter Druck bleiben wird. Auch in den nächsten Jahren kommt es darauf an, Wachstumschancen im Bankgeschäft mit angemessener Risikoperspektive zu nutzen. „Wir als Regionalverband unterstützen unsere Mitgliedsbanken seit inzwischen 130 Jahren mit unseren eigenen Dienstleistungen und als Umsetzungsunterstützer zu den verbundweit gemeinsam erarbeiteten Konzepten“, betonte Schwengels. Die veränderten Rahmenbedingungen hat der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken zum Anlass genommen, die Hilfestellungen für die Genossenschaftsbanken zur Überarbeitung ihrer Strategien zu modernisieren. Im Kern soll das Angebot um banknahe Dienstleistungen erweitert werden, um die Kundenbindung und Kundenzufriedenheit weiter zu erhöhen. Ferner sollen die Arbeitsabläufe in den Banken noch effizienter gestaltet werden.

Mit Blick auf die Rahmenbedingungen für die Finanzbranche ging Verbandsdirektor Schwengels insbesondere auf das europäische Einlagensicherungssystem (EDIS) sowie auf die Sustainable Finance-Strategie (Strategie nachhaltige Finanzen) der Europäischen Union (EU) ein.

EDIS: Gefahr für die anerkannten Institutsschutzsysteme

„Weitere Schritte bei der europäischen Einlagensicherung setzen voraus, dass in Europa zunächst Risiken aus notleidenden Krediten und aus Staatsanleihen erheblich reduziert und Insolvenzregeln angeglichen werden. Die EDIS-Diskussion berücksichtigt zudem das erfolgreiche Wirken nationaler Einlagensicherungssysteme wie den anerkannten Institutsschutz der Volksbanken und Raiffeisenbanken nicht annähernd hinreichend in seinen Überlegungen. Gerade kleinere Banken wie die Volksbanken und Raiffeisenbanken sind aber auf den Zusammenhalt im Verbund angewiesen“, betonte Schwengels.

Nachhaltigkeit in der Finanzbranche mit Augenmaß

„Europa verfolgt mit dem EU-Aktionsplan und dem von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vorgelegten ‚European Green Deal‛ eine ambitionierte Sustainable Finance-Strategie. Auch mit dem von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht vorgelegten ‚Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken‛ werden Banken, Versicherungen und Kapitalverwaltungsgesellschaften aufgefordert, Nachhaltigkeitsrisiken in ihr Risikomanagement einzubeziehen. Dies kann unter anderem den Handlungsspielraum im Agrarkreditgeschäft beeinflussen. Mit Blick auf die hohe genossenschaftliche Intensität in unserer ländlich geprägten Region Weser-Ems gilt es, die Kriterien und Messwerte für Nachhaltigkeit mit Augenmaß zu entwickeln. Denn bei aller Relevanz des Themas ‚nachhaltige Finanzen‛ sollte Bankenregulierung auch künftig risikobasiert erfolgen und nicht zu einem Ausschlusskatalog führen“, appellierte Schwengels.

Negativer EZB-Einlagezins belastet Banken

„Das Niedrigzinsumfeld ist für die deutschen Banken eine besondere Herausforderung, da ihr Geschäftsmodell stark vom Zinseinkommen abhängig ist. Für die Kreditinstitute im Euroraum stellt der negative Einlagesatz der Europäischen Zentralbank (EZB) eine Art ‚Sonderabgabe‛ für ihre Überschussliquidität dar. Dieser trifft gerade Genossenschaftsbanken umso mehr, da sie im Einlagengeschäft ein großes Vertrauen bei Kunden und Mitgliedern genießen. Je länger die Niedrigzinsen anhalten, desto stärker werden die Nachteile dieser Politik überwiegen. Denn neben den Verlusten, die der negative Einlagezins bei den Banken verursacht, steigen gleichzeitig die Kosten für Regulierung und Risikovorsorge. Die Folge: Eine schwindende Profitabilität der Banken, die auf Dauer ihre Kapazität zur Kreditvergabe einschränkt“, mahnte Schwengels zum Ende der Pressekonferenz.