zur Übersicht

EEG-Novellierung: Absenkung der Ausschreibungsgrenzen für Photovoltaik-Dachanlagen ist das falsche Signal für die Akzeptanz der Energiewende

08.09.2020

Oldenburg. Der seit dem 31. August vorliegende Entwurf zur Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes gefährdet die 71 Energiegenossenschaften in unserem Verbandsgebiet. Insbesondere die Ausweitung der Ausschreibungspflicht auf Solarstromdachanlagen mit einer installierten Leistung unter 750 Kilowatt wird die Realisierung weiterer PV-Projekte unserer Mitgliedsgenossenschaften erheblich behindern. Bis zum Jahr 2025 soll diese Ausschreibungsgrenze stufenweise bis auf 100 Kilowatt abgesenkt werden.

„Mit dem vorgelegten Gesetzesvorschlag wird das Engagement an der Energiewende insbesondere bei Bürgerenergiegenossenschaften als auch bei vielen mittelständischen Unternehmen zurückdrängt. Es ist davon auszugehen, dass viele Solarstromdachanlagen nicht realisiert werden, da der bürokratische Aufwand einer Beteiligung an Ausschreibungen nicht vertretbar ist“, erklärt Verbandsdirektor Johannes Freundlieb.

Schon die bestehenden Ausschreibungsregeln für Wind- und größere Solaranlagen sind problematisch. Bei den bisherigen Ausschreibungsrunden für Solarstromanlagen mit einer Leistung über 750 kW sind Energiegenossenschaften de facto ausgeschlossen. Von den 751 Zuschlägen in den Ausschreibungsrunden seit dem 1. April 2015 haben Energiegenossenschaften lediglich drei Zuschläge erhalten.

Der Grund hierfür sind die Risiken und Nachteile für kleinere Akteure, die mit einem Ausschreibungsverfahren verbunden sind. Bei einer Energiegenossenschaft besteht die Gefahr, dass das in die Projektierung investierte Mitgliederkapital bei einem ausbleibenden Zuschlag verloren geht. Dieses Risiko kann zumeist mangels weiterer geplanter Projekte nicht aufgefangen werden. Im Gegensatz zu großen Projektierungsunternehmen können sie das Risiko nicht über viele Gebote streuen.

„Insbesondere die Gründungen von zahlreichen Bürger-Photovoltaik-Energiegenossenschaften in Weser-Ems haben bei den Mitgliedern zu einer breiten Akzeptanz an der Energiewende beigetragen. Die Bundesregierung sollte die Ausschreibungsgrenze für Solarstromdachanlagen nicht weiter absenken. Das Erfolgsmodell ‚Energiegenossenschaft’ muss vielen Akteuren erhalten bleiben“, so Verbandsdirektor Johannes Freundlieb.