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Genossenschaftsbanken im Osnabrücker Land gewinnen Marktanteile

veröffentlicht im Genossenschafts-Magazin Weser-Ems, Ausgabe 02/2016

Die sechs Volksbanken und Raiffeisenbanken der Arbeitsgemeinschaft im Osnabrücker Land sind mit der Geschäftsentwicklung im Jahr 2015 zufrieden. In einem herausfordernden Markt- und Wettbewerbsumfeld konnten die Banken vor Ort und als Gruppe Marktanteile gewinnen, so Bankdirektor Thomas Ruff, Volksbank eG Bad Laer-Borgloh-Hilter-Melle eG und neuer Sprecher der Arbeitsgemeinschaft im Osnabrücker Land Anfang Januar bei der Bekanntgabe der vorläufigen Bilanzergebnisse.

 © Volksbank eG Bad Laer-Borgloh-Hilter-Melle
Stellten gemeinsam die Geschäftsergebnisse der Genossenschaftsbanken im Osnabrücker Land und aktuelle bankpolitische Themen vor: Bankdirektor Thomas Ruff und GVWE-Abteilungsleiter Harald Lesch.

Das Kundengeschäft der Volksbanken und Raiffeisenbanken wurde vor allem von einem lebhafteten Kreditgeschäft mit Privat- und Firmenkunden getragen. Während die Branche im Kreditgeschäft um ca. 2 Prozent zulegte, weisen die Genossenschaftsbanken im Osnabrücker Land ein Wachstum bei den Krediten um 4,52 Prozent auf 1,92 Mrd. Euro auf. „Unsere Mitgliedsbankenbefinden sich im Kreditgeschäft auf der Überholspur und schneiden deutlich besser als der Branchendurchschnitt ab“, unterstrich Ruff. Bei den Kundeneinlagen konnten die Genossenschaftsbanken trotz der niedrigen Zinsen einen respektablen Zuwachs von 1,14 Prozent auf 1,9 Mrd. Euro aufweisen. Besonders gefragt waren im Jahr 2015 Anlagen in Investmentfonds.

Die weiter andauernden Niedrigzinsen führten nach Aussagen des Sprechers zu einem Rückgang des Zinsüberschusses, der Haupteinnahmequelle der Banken. Durch das überdurchschnittliche Wachstum der Kundengeschäfte und die stabilen Kosten ist die Ertragslage aber noch zufriedenstellend. Im bundesweiten Vergleich stehen die Mitgliedsbanken der Arbeitsgemeinschaft weiterhin gut da. Das Niedrigzinsniveau und weiter steigende Kosten durch die europäische Regulatorik belasten jedoch zunehmend die Ertragslage.

Bankdirektor Ruff kritisierte zudem die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Mit den Beschlüssen vom 3. Dezember 2015 wurde die Fehlsteuerung durch die europäische Geldpolitik verstärkt. Die bisherigen Effekte – niedrige Inflation, Griechenland immer tiefer in der Rezession, hohe Jugend-/ Arbeitslosigkeit in den Südländern, stockende Haushaltskonsolidierungen der europäischen Staaten sowie das Ausbleiben von notwendigen Reformen  - würden die Lage nicht verbessern. Darüber hinaus bewirke nach seinen Aussagen die EZB-Politik Nachteile mit Langzeitwirkung. Hierzu zählte er die Gefahr von Spekulationsblasen, Einbrüche bei der Altersvorsorge, Vertrauensverlust in Lebensversicherungen, Erosion der Sparkultur, unzureichende Altersvorsorge, und drohende Altersarmut.

„Die von der Europäischen Kommission auf den Weg gebrachte Europäische Einlagensicherung wird von unseren Genossenschaftsbanken abgelehnt“. betonte Ruff weiter. In der Endstufe würden deutsche Banken mit ihren Einlagensicherungen für ihre Kunden für ausländische, europäische Banken haften, die deutlich schlechter gewirtschaftet hätten. Bisher haben nur die Hälfte der 28 EU-Staaten eigene Sicherungsfonds. Es fehlt somit an eigenen Einlagensicherungssystemen, die zuerst aufgebaut werden müssten. Außerdem sei es ein offenes Geheimnis, das in den Bilanzen von Banken in Griechenland, Portugal, Spanien, Italien, Zypern und Irland viele Milliarden notleidender Kredite verborgen liegen. „Diese Altlasten müssen vor einer Europäischen Einlagensicherung zuerst bereinigt werden“, so Ruff.

„Die vorgestellten Erfolge der Genossenschaftsbanken im Osnabrücker Land  im zurückliegenden Jahr zeigen, dass die Investition in die regionale und örtliche Marktbearbeitung durch verschiedene Projekte die gewünschten Erfolge erzielen“, betonte seitens unseres Verbandes Abteilungsleiter Harald Lesch. Die Banken investieren deshalb kontinuierlich in eine gute Beratungsqualität, um die Mitglieder- und Kundenzufriedenheit vor Ort weiter zu steigern. Nach Aussagen von Lesch sind die Bundesprojekte der genossenschaftlichen Bankengruppe „webErfolg“ und „Beratungsqualität“ im Osnabrücker Land auf einem guten Weg und teilweise schon umgesetzt.

Im Gegensatz zu den Großbanken und einzelnen Sparkassen sind von den Genossenschaftsbanken im Osnabrücker Land kurzfristig keine größeren Filialschließungen geplant. Das veränderte Kundenverhalten mit deutlich weniger Kundenfrequenz in den einzelnen Filialen beschäftigt jedoch alle Banken. Die einzelnen Banken gehen dabei unterschiedlich vor. So wird vielfach zuerst über interne Optimierungen oder die Anpassung der Öffnungszeiten nachgedacht. Für den mittelfristigen Bestand der Filialen wird es entscheidend sein, wie die Mitglieder und Kunden künftig das stationäre Angebot der Bank vor Ort in Zeiten der Digitalisierung nutzen werden.

Auf das von den Genossenschaftsbanken mit entwickelte Online-Bezahlverfahren payDirekt, das planmäßig im November gestartet wurde, ging Abteilungsleiter Lesch ein (s. Seite 7). Mit diesem Angebot  wird das Bezahlen im Internet einfacher, bequemer und sicherer. Der bewährte Sicherheitsstandard der Genossenschaftsbankengarantiert nicht nur die Sicherheit der Zahlungsabwicklung, sondern ebenso die Sicherheit der persönlichen Daten. Die Erfahrungen nach den ersten Wochen sind laut Aussagen von Lesch durchweg positiv.

Während internationale und auch deutsche Großbanken massiv Personal abbauen, sind die Genossenschaftsbanken unverändert ein verlässlicher Arbeitgeber und Ausbilder. Die Mitarbeiterzahl der Genossenschaftsbanken im Osnabrücker Land blieb nach Angaben von Ruff  2015 mit 654 praktisch unverändert. Mit verschiedenen Programmen investieren die Banken gezielt in ihre Attraktivität als Arbeitgeber, um den demografischen Herausforderungen zu begegnen.

Ausblick für das Jahr 2016

Die Banken blicken verhalten optimistisch auf 2016. Die gute und stabile wirtschaftliche Situation in der Region Osnabrück ermöglicht auch in diesem Jahr ein gutes Kreditgeschäft. Der Zinsüberschuss bleibt bei fallenden Margen unverändert unter Druck. „Die Genossenschaftsbanken werden sich daher aktiv diesen sich daraus ergebenden Herausforderungen stellen und ihrer Rolle als verlässlicher Bankpartner im Osnabrücker Land gerecht werden“, unterstrich Ruff zum Abschluss des Pressegespräches.

Die Genossenschaftsbanken im Osnabrücker Land:

  • Volksbank Bad Laer-Borgloh-Hilter-Melle
  • Volksbank Bramgau-Wittlage eG
  • Volksbank eG GMHütte-Hagen-Bissendorf
  • Volksbank Osnabrück eG
  • Volksbank Osnabrücker Nordland eG
  • VR Bank im Altkreis Besenbrück eG