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Landwirtschaft: Auf der Suche nach dem Weg aus der Krise

veröffentlicht im Genossenschafts-Magazin Weser-Ems, Ausgabe 09/2016

Fachtagung „Schwierige Zeiten meistern – Wege für Familie und Betrieb“

 © GVWE/ Thorsten Ritzmann
Zu der Veranstaltung hatten die Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK), unser Verband, die Oldenburgische Industrie- und Handelskammer sowie die Arbeitsgemeinschaft der Volksbanken und Raiffeisenbanken in Weser-Ems (AGVR) eingeladen. Vor der Veranstaltung trafen sich AGVR-Geschäftsführer Harald Lesch (l.), der LWK-Präsident Gerhard Schwetje (3. v. l.) umrahmt von den Verbandsdirektoren Johannes Freundlieb (2. v. l.) und Georg Litmathe (3.v.r.) sowie LWK-Direktor Hans-Joachim Harms (2.v.r.) und Stefan Ortmann, stellv. LWK-Direktor und Moderator der Veranstaltung.

Agrarmärkte bergen unkalkulierbare Risiken, wie das lange währende Preistief bei Milch und Schweinen zeigt. „Viele landwirtschaftliche Betriebe sind hart getroffen, Existenzen gefährdet“, sagte Gerhard Schwetje, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, bei einer landwirtschaftlichen Fachtagung, die am 24. August im Akademiehotel Rastede stattfand. Zu der angespannten wirtschaftlichen Situation gesellten sich steigende Auflagen für die landwirtschaftliche Produktion und eine sinkende Akzeptanz in Teilen der Bevölkerung. „Der ökonomische und psychische Druck ist enorm“, so Schwetje, „viele Betriebe suchen nach einem Ausweg.“

„Dazu gilt es, betriebliche und familiäre Möglichkeiten und Grenzen zu erkennen und umzusetzen“, sagte Verbandsdirektor Johannes Freundlieb. Ziel der Veranstaltung sei es, die Handlungsfähigkeit in der Krise zu sichern und neue Wege für die Familie und das landwirtschaftliche Unternehmen aufzuzeigen.

Veranstalter der Tagung waren neben der Landwirtschaftskammer und unserem Verband die Arbeitsgemeinschaft der Volksbanken und Raiffeisenbanken in Weser-Ems sowie die Oldenburgische Industrie- und Handelskammer. Rund 90 Vertreter der geladenen Gremien dieser Einrichtungen und Institutionen wurden über das Thema „Schwierige Zeiten meistern – Wege für Familie und Betrieb“ informiert. Tenor der Veranstaltung: Um wirtschaftliche Krisen zu überstehen, müssen landwirtschaftliche Familie, Berater und finanzierende Bank eng zusammenarbeiten.

Als Konsequenz einer genauen Analyse böten sich den landwirtschaftlichen Betrieben drei Optionen: der Verbleib als Haupterwerbsbetrieb, der Zuverdienst eines außerlandwirtschaftlichen Einkommens sowie die Aufgabe des Betriebes. In jeder dieser Optionen komme es ganz besonders auf die Familie an, die in der Regel eng mit dem Betrieb verbunden sei. Ihre Merkmale seien eine überdurchschnittliche Leistungs- und Durchhaltebereitschaft sowie ein hohes Maß an Flexibilität und Kreativität. Darin steckt ein großes Potenzial, um eine Krise zu überstehen, hieß es in Rastede. Trotzdem sollte externe Hilfe zum Beispiel von Fachberatern unbedingt und frühzeitig genutzt werden.

Am Ende verdiene jede unternehmerische Entscheidung Respekt, die nach guter Vorbereitung und intensiver Begleitung getroffen wurde. Das gelte auch für den schmerzhaften Entschluss der Betriebsaufgabe, die als Ergebnis einer gewissenhaften Analyse kein Tabu sein dürfe.

Für die verbleibenden Betriebe sei ein gutes Controlling mit Liquiditätsplanung und -sicherung nicht nur in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wichtig. Mit Hilfe detaillierter Auswertungen aller Betriebszweige und dem direkten Zahlenvergleich mit den Berufskollegen ließen sich ungenutzte Reserven aufspüren und nutzen.

Selbstverständlich sei es, sich durch sehr gute Leistungen im Stall und auf dem Acker gegen Krisen zu wappnen. Auch der Wandel von einer Spezialisierung hin zur vielfältigen Produktion stelle Betriebe auf eine breitere Basis und mache sie krisensicherer. Das gelte auch für außerlandwirtschaftlich erzielte Einkommen. Bei der Auswahl neuer Produktionszweige habe sich antizyklisches Verhalten oft bewährt. Langfristig sei eine Erhöhung des Eigenkapitals anzustreben, um in wirtschaftlich schwierigen Zeiten handlungsfähig zu bleiben.

Immer wieder wurde betont, dass Veränderungen nicht nur Risiken, sondern auch Chancen mit sich brächten. Um diese nutzen zu können, sollten Rücklagen für Investitionen gebildet werden. Die könnten außerdem helfen, finanzielle Engpässe zu überbrücken.

Deutlich wurde auf der Tagung auch, dass neben der fachlichen Qualifikation, die vorausgesetzt wird, die soziale Kompetenz der Landwirte immer mehr Bedeutung bekommt. Das gelte für den Blick auf das Tier genauso wie für den Umgang mit Mitarbeitern oder die Entwicklung und Umsetzung kreativer Ideen. In jedem Fall könnten Unternehmerschulungen, aber auch der kollegiale Austausch in Arbeitskreisen, wichtige Impulse für die persönliche und betriebliche Entwicklung geben.