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Marktmonitor Mittelstand 2016: Solide Basis der Volksbanken und Raiffeisenbanken in Weser- Ems im Firmenkundengeschäft

veröffentlicht im Genossenschafts-Magazin Weser-Ems, Ausgabe 09/2016

Die genossenschaftliche Beratung im Firmenkundengeschäft ist glaubwürdig, ehrlich, kompetent und zeichnet sich durch Kundennähe aus. Erneut konnten die Volksbanken und Raiffeisenbanken in Weser-Ems ihre gute Positionierung mit den Ergebnissen im Marktmonitor Mittelstand 2016 belegen.

In Anbetracht des Niedrigzinsumfeldes und des hohen Wettbewerbs um die wichtigen Zielgruppen gewerblicher Mittelstand und Landwirtschaft ist die Kenntnis dessen, was der Mittelstand in Weser-Ems von den Volksbanken und Raiffeisenbanken erwartet und wie diese die Mitbewerber in der Region bewerten von Bedeutung. Primärerhebungen wie zum Beispiel Befragungen zählen im Bereich der Marktforschung zu den geeigneten Instrumenten, um Informationen über die Meinung von Kunden und Nichtkunden zu erhalten. Die Meinungsäußerungen der Entscheidungsträger in den Unternehmen liefern wertvolle Erkenntnisse über die Stärken und Schwächen der jeweiligen Finanzdienstleister. Aufgrund der Bedeutung derartiger Erkenntnisse führte die Arbeitsgemeinschaft der Volksbanken und Raiffeisenbanken in Weser-Ems in 2016 erneut eine Mittelstandsbefragung für Weser-Ems durch. Es war die dritte Studie, die jeweils im Abstand von vier Jahren realisiert worden ist.

Mit Unterstützung einer Projektgruppe, die sich aus Vertretern der einzelnen Kreisarbeitsgemeinschaften zusammensetzte, wurden in zwei Projektsitzungen die Untersuchungsinhalte, der Fragestellungen und die Ergebnisaufbereitung erarbeitet. Die  Projektleitung hatte Ralf-Peter Janik, Abteilung Marketing- Verbundkoordination-Gründungsberatung.

Als Erhebungsmethode kam die telefonische Befragung mittels CATI (= Computer Assisted Telephone Interviewing) zum Einsatz. Begleitet wurde die Projektgruppe von dem Marktforschungsinstitut Produkt + Markt aus Wallenhorst, das sicherstellte, dass anerkannte statistische Auswertungsverfahren zur Anwendung kamen. Im Erhebungszeitraum April bis Mai 2016 wurden 1.000 telefonische Befragungen im Mittelstand (gewerblicher Mittelstand, Vollerwerbslandwirte) in Weser-Ems durchgeführt. Innerhalb der Unternehmen stellten die Finanzentscheider die Zielpersonen für die Befragung dar. Bei dieser dritten Mittelstandsbefragung in Weser-Ems wurden die derzeitige Zusammenarbeit, die Positionierung der Geldinstitute und die Einschätzung der Geschäftsentwicklung durch die befragten Firmenkunden  analysiert und nach Branchen und Größenklassen gesondert ausgewertet.

Die Kernergebnisse der Studie stellen sich wie folgt dar:

Die Wirtschaftssituation im Mittelstand

Die aktuelle Wirtschaftssituation sowie die erwartete Wirtschaftsentwicklung werden durch den Mittelstand sehr differenziert bewertet. Während 34 Prozent die aktuelle und 30 Prozent die in den nächsten 12 Monaten zu erwartende Wirtschaftsentwicklung als sehr gut oder gut beurteilen, bewerten 23 Prozent diese als schlecht oder sehr schlecht. Die Einschätzung der Wirtschaftssituation hat sich im Vergleich zu 2012 geringfügig verschlechtert.

Dieser Rückgang ist auf die aktuell sehr negative Stimmung bei den Landwirten (insbesondere Milchviehbetriebe) zurückzuführen. Die Landwirte beurteilen sowohl ihre aktuelle wirtschaftliche Situation als auch die zu erwartende Entwicklung mehrheitlich als kritisch.

Im gewerblichen Mittelstand hat sich die Stimmung hingegen leicht verbessert. Betrachtet man die Wirtschaftssituation aus Sicht der gewerblichen Mittelständler differenziert nach Branche, so zeigt sich, dass sowohl die aktuelle Situation als auch die zu erwartende Entwicklung durch Handels- und Dienstleistungsunternehmen besser beurteilt werden als in der Vormessung. Das produzierende beziehungsweise verarbeitende Gewerbe schätzt die aktuelle und zukünftige Wirtschaftslage erneut optimistischer ein.

Die Hausbankverbindungen des Mittelstandes

42 Prozent der befragten Unternehmen sehen eine Genossenschaftsbank als ihre Hausbank an. Für die Sparkassen ist ein Anteil von 40 Prozent zu verzeichnen und für die OLB ein Anteil von 11 Prozent.

Der hohe Marktanteil der Genossenschaftsbanken wird stark durch den Landwirtschaftssektor beeinflusst. In dieser Zielgruppe hat unsere Bankengruppe einen Hausbankanteil von 71 Prozent; beim gewerblichen Mittelstand beträgt der Anteil 36 Prozent.

Neben dem Landwirtschaftssektor werden Genossenschaftsbanken häufig von kleineren Unternehmen als Hausbank gesehen. Bei Unternehmen des produzierenden beziehungsweise verarbeitenden Gewerbes sowie im Handel konnten die Genossenschaftsbanken an Marktanteilen gewinnen, während die Entwicklung im Dienstleistungsbereich leicht rückläufig ist.

Die Zufriedenheit, die Kundenloyalität und das Image

Die Bindung der Hausbankkunden liegt bei 84 Prozent. Damit erreicht unsere Bankengruppe nach wie vor einen höheren Wert als die Sparkassen/LzO mit 78 Prozent sowie die OLB und Großbanken mit jeweils 75 Prozent. 43 Prozent der Hauptbankkunden der Genossenschaftsbanken würden ihre Hausbank einem Freund oder Kollegen auf jeden Fall empfehlen. Die höchste Empfehlungsbereitschaft haben mittlere Unternehmen (mit 10 bis 50 Mitarbeitern)  mit 78 Prozent und landwirtschaftliche Betriebe mit 77 Prozent.

24 Prozent der mittelständischen Hauptbankkunden der Genossenschaftsbanken äußern sich absolut überzeugt von ihrer Hausbank, weitere 57 Prozent sind sehr zufrieden. Der Anteil enttäuschter Kunden beträgt 3 Prozent.

Mit einem Mittelwert von 1,98 erzielen die Genossenschaftsbanken das höchste Zufriedenheitsniveau. Im Vergleich zur Vormessung 2012 haben sich die Zufriedenheitswerte jedoch bei allen Banken verschlechtert.

Die höchste Zufriedenheit mit den Genossenschaftsbanken besteht hinsichtlich der „Verfügbarkeit eines zuständigen Ansprechpartners während der Öffnungszeiten“, der „Zuverlässigkeit“ sowie des „Mitarbeiterengagements“. Die Gesamtzufriedenheit landwirtschaftlicher Betriebe mit den Genossenschaftsbanken hat sich im Vergleich zu den Vorjahresmessungen 2012 und 2008 signifikant verbessert.

75 Prozent der Hauptbankkunden der Genossenschaftsbanken sehen diese als eine Bank, die sich für mittelständige Unternehmen einsetzt. 74 Prozent nehmen darüber hinaus ihren Einsatz für die Region wahr. Insgesamt schneiden die Genossenschaftsbanken bei nahezu allen Imagekriterien besser ab als die Wettbewerber. Insbesondere die Kriterien „gute Geschäftspolitik“, „Nachhaltigkeit“, „am Puls der Zeit“ und „Einsatz für die Region“ heben sich positiv ab.

Die Produktnutzung

Die „Abwicklung des allgemeinen Zahlungsverkehrs“ und das „Online-Banking“ sind die Produktbereiche, die nach wie vor die höchste Relevanz für den Mittelstand haben. Die Bereiche „Auslandsgeschäfte“ und „Leasing“ haben in Relation zu den übrigen Produktbereichen die geringste Bedeutung. Insgesamt haben viele Produktbereiche im Vergleich zu 2012 an Relevanz verloren, vor allem „längerfristige Investitionsentscheidungen“, „intensive Betreuung im Betrieb“ und „Geldanlagen“.

Zudem haben weitere Produktbereiche bei landwirtschaftlichen Betrieben eine deutlich höhere Relevanz als bei Unternehmen des gewerblichen Mittelstandes, insbesondere die „Regelung der Hofnachfolge“, „längerfristige Investitionsfinanzierungen“, „Finanzierung regenerativer Energien“ sowie „private Geldgeschäfte“.

Die Intensität der Zusammenarbeit

13 Prozent der mittelständischen Kunden der Genossenschaftsbanken (davon 12 Prozent aus dem gewerblichen Mittelstand und 17 Prozent aus der Landwirtschaft) wollen zukünftig mit ihrer Hausbank noch intensiver zusammenarbeiten. Diese Zunahme wird hauptsächlich in dem Bereich Finanzierung/Kredite erwartet.

Die Information, die Beratung und die Betreuung

38 Prozent der mittelständischen Hauptbankkunden der Genossenschaftsbanken geben an, aktiv von ihrer Hausbank informiert zu werden. 34 Prozent der Hauptbankkunden der Genossenschaftsbanken wünschen sich mehr Informationen durch ihre Hausbank. Insbesondere große Betriebe und Landwirte sehen hier Verbesserungsbedarf. Neben Informationen zum Thema „Geldanlage“ werden auch „allgemeine aktuelle Informationen“ gewünscht.

68 Prozent der Unternehmen geben an, in der Vergangenheit bereits eine umfassende Beratung bei den Genossenschaftsbanken erfahren zu haben. Gegenüber 2012 hat sich dieser Wert um 4 Prozent verringert. Im Vergleich zu anderen Banken erzielen die Genossenschaftsbanken jedoch den höchsten Wert. Insgesamt ist der Anteil in Anspruch genommener Beratungsgespräche im Vergleich zu 2012 bei allen Banken gesunken. In Bezug auf die verschiedenen Regionen zeigt sich das Oldenburger Land in diesem Bereich besonders aktiv.

Die durchschnittliche Gesamtzufriedenheit mit einer in Anspruch genommenen umfassenden Beratung liegt bei den Hauptbankkunden der Genossenschaftsbanken mit 1,93 auf einem guten Niveau und konnte im Vergleich zu 2012 (2,07) verbessert werden. Knapp ein Drittel der Kunden der Volksbanken und Raiffeisenbanken in Weser-Ems, die bisher noch keine umfassende Beratung genossen haben, wünscht sich eine solche von ihrer Hausbank.

Insgesamt betrachtet besitzen die Genossenschaftsbanken in Weser-Ems für das Firmenkundengeschäft eine solide Grundlage für die kommenden Jahre. Die genossenschaftliche Beratung Firmenkunden und das Marktbearbeitungskonzept Firmenkunden unterstützen die Volksbanken und Raiffeisenbanken in Weser-Ems auch in Zukunft dabei, der zentrale Finanzierungspartner für den gewerblichen Mittelstand und die Landwirtschaft in Weser-Ems zu bleiben.

Die Mitglieder der Projektgruppe „Marktmonitor Mittelstand 2016“ aus den Kreisarbeitsgemeinschaften (KAG) in Weser-Ems:

  • Kreisarbeitsgemeinschaft Friesland: Rolf Dietrich   Raiffeisen-Volksbank Varel-Nordenham eG
  • Kreisarbeitsgemeinschaft Ammerland-Wesermarsch-Oldenburg: Regina Menke und Doris Sudbrink, Raiffeisenbank Wesermarsch-Süd eG
  • Kreisarbeitsgemeinschaften Leer, Aurich-Wittmund und Norden: Thomas Groeneveld, Volksbank eG Westrhauderfehn, und Klaus-Dieter Hillrichs, Ostfriesische Volksbank eG
  • Kreisarbeitsgemeinschaft Cloppenburg: Berthold Menke, Volksbank Essen-Cappeln eG
  • Kreisarbeitsgemeinschaft Vechta: Peter Möllmann, VR BANK Dinklage-Steinfeld eG
  • Kreisarbeitsgemeinschaft im nördlichen Emsland: Dr. Helen Niemann, Emsländische Volksbank eG
  • Kreisarbeitsgemeinschaft Lingen: Richard Niermann, Volksbank Süd-Emsland eG
  • Kreisarbeitsgemeinschaft Osnabrücker Land: Ralf Stolte, VR-Bank eG im Altkreis Bersenbrück
  • Kreisarbeitsgemeinschaft Grafschaft Bentheim: Steffen Wolterink, Grafschafter Volksbank eG

und unterstützt von der Kreisarbeitsgemeinschaft Delmenhorst/Oldenburg-Land

Text: Ralf-Peter Janik