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Genossenschaftssektor in Deutschland zeigt stabiles Wachstum

veröffentlicht im Genossenschafts-Magazin Weser-Ems, Ausgabe 12/2016

Der Genossenschaftssektor in Deutschland wächst wieder: Ende 2015 wurden bundesweit 7.950 Genossenschaften gezählt und damit 1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor (7.881). Damit werden inzwischen wieder mehr neue Genossenschaften gegründet – im vergangenen Jahr waren es 216 – als durch Fusionen und Auflösungen verloren gehen.

„Die Zahl der Neugründungen hat sich jetzt auf einem vergleichsweise hohen Niveau von 200 pro Jahr stabilisiert. Im laufenden Jahr wird die Zahl der Genossenschaften in Deutschland wieder die Marke von 8.000 erreichen“, so Michael Stappel, Volkswirt der DZ BANK und Autor des Genossenschaftsberichts 2016. Dank der Neugründungen und der anhaltenden Attraktivität der Kreditgenossenschaften setzte sich auch der bereits seit Langem beobachtbare Mitgliederzuwachs weiter fort. Die Zahl genossenschaftlicher Anteilseigner stieg 2015 um 261.000 (+1 Prozent) auf 22,4 Millionen Mitglieder. Damit hat der genossenschaftliche Verbund seine Position als mitgliederstärkste Wirtschaftsorganisation in Deutschland weiter ausgebaut.

Die stabile Entwicklung bei den Neugründungen setzte sich im ersten Halbjahr 2016 fort: Insgesamt wurden 100 neue Genossenschaften gegründet und damit etwas weniger als in den ersten sechs Monaten des Vorjahres (106). Allein 39 Neugründungen entfielen auf den Dienstleistungssektor, fast doppelt so viele wie im Vergleichszeitraum. Abgeebbt ist hingegen die Neugründungswelle bei Energiegenossenschaften: Im ersten Halbjahr des laufenden Jahres wurden nur noch 11 neue Genossenschaften im Bereich der erneuerbaren Energien registriert.

Mehr Beschäftigte in Genossenschaften

Am Arbeitsmarkt ist die Genossenschaftsorganisation weiterhin einer der wichtigsten Arbeitgeber in Deutschland: Durchschnittlich 968.700 Voll- und Teilzeitkräfte waren 2015 in genossenschaftlichen Unternehmen beschäftigt, das sind 1,6 Prozent mehr als im Jahr zuvor (932.000). Außerdem bieten Genossenschaften rund 47.100 jungen Menschen einen Ausbildungs- und Traineeplatz als Bankkaufleute, Einzelhändler und in vielen anderen Berufsfeldern.

Anhaltender Mitgliederzuwachs bei den Genossenschaftsbanken

Der Mitgliederzuwachs im Genossenschaftssektor wird nach wie vor fast ausschließlich von den Genossenschaftsbanken getragen. Die Zahl der Anteilseigner an Volksbanken, Raiffeisenbanken und anderen Kreditgenossenschaften stieg 2015 um rund 258.000 Mitglieder auf 18,3 Millionen. Im Zuge von Zusammenschlüssen unter Volksbanken und Raiffeisenbanken sank die Zahl der Kreditgenossenschaften um weitere 26 Institute auf nunmehr 1.021. Durch die Fusion der beiden Rechenzentralen zur Fiducia & GAD IT AG reduzierte sich zudem die Zahl der Spezial-Verbundunternehmen auf 15. Ein historisch bedeutsamer Schritt gelang unterdessen mit dem im August 2016 vollzogenen Zusammenschluss von WGZ BANK und DZ BANK. Mit der DZ BANK. Die Initiativbank entsteht erstmals in der Geschichte der deutschen Genossenschaftsorganisation eine gemeinsame Zentralbank für alle Kreditgenossenschaften in Deutschland.

Den Ausbau elektronischer Vertriebswege haben die Genossenschaftsbanken weiter beschleunigt. So stieg der Anteil der für Mitglieder und Kunden freigeschalteten Online-Girokonten per Ende 2015 nochmals um 2,1 Prozentpunkte auf 62,1 Prozent.

Digitalisierung: Chancen durch genossenschaftliche Kooperation

Den Herausforderungen und Chancen des digitalen Wandels für Genossenschaften ist ein Sonderthema der Studie gewidmet. Einerseits bekommen auch Genossenschaften die wachsende Konkurrenz aus dem Netz zu spüren. Andererseits bietet die fortschreitende Digitalisierung die Chance, Effizienzpotenziale zu heben, Daten systematisch zu analysieren und zur zielgerichteten Bedarfsanalyse sowie Ansprache zu nutzen oder auch grundsätzlich neue Geschäftsmodelle zu etablieren.

Beim aktuellen Innovationsschub Digitalisierung geht es vor allem auch um Vernetzung. Hierbei ist Kooperation gefragt – eine große Stärke von Genossenschaften. Beispielsweise können auch die angeschlossenen Mitglieder durch die Erschließung und Weiterentwicklung technischer Hilfsmittel unterstützt werden. „Mitgliedsbetriebe fit zu machen für den digitalen Wandel, ihre informationstechnische Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, ist Teil des genossenschaftlichen Förderauftrags“, so Studienautor Michael Stappel. Gleichzeitig gelte es, neue digitale Angebote in der Mitgliederkommunikation zu schaffen. Dass die Genossenschaftsorganisation hier auf einem guten Weg ist, zeigen auch die Interviews mit führenden Genossenschaftsvertretern im Rahmen der Studie.