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Zum Jahreswechsel 2017

veröffentlicht im Genossenschafts-Magazin Weser-Ems, Ausgabe 01/2017

Grußwort unseres Verbandsvorstandes zum Jahreswechsel

 

Sehr geehrte Damen und Herren,  liebe Genossenschaftsfreunde,
 
von Mark Twain stammt der Spruch: „Natürlich interessiert mich die Zukunft, ich will schließlich den Rest meines Lebens darin verbringen.“

Damit lässt sich hervorragend auch der Kern von Genossenschaften beschreiben: Sie sind auf Dauer angelegte freiwillige Zusammenschlüsse zur Förderung ihrer Mitglieder. Sie werden in Deutschland seit Mitte des 19. Jahrhunderts über Generationen hinweg weiterentwickelt. Sie sind wie vor über 150 Jahren zutiefst demokratisch ausgerichtete Unternehmen und förderwirtschaftlich für ihre Mitglieder tätig, wobei jedes Mitglied nach wie vor unabhängig von seiner Kapitalbeteiligung eine Stimme hat. Und seit nunmehr über 125 Jahre begleitet unser Verband seine Mitgliedsunternehmen und die genossenschaftliche Zusammenarbeit im Verbund durch den Wandel der Zeit.

Das genossenschaftliche Modell hat Weltkriege, Währungsreformen und Finanzkrisen überstanden. Warum? Weil bei allem Wandel zwei Grundpfeiler für besondere Stabilität sorgen: Die langfristige Mitgliederorientierung und die tiefgehende regionale Verankerung. Genossenschaften agieren typischerweise auf lokal oder regional abgegrenzten Märkten. Damit übernehmen sie regelmäßig auch Verantwortung in der Region für die Region – das ist übrigens auch die Positionierung im Leitbild unseres Verbandes – und sind durch ihr Wirken ein Gewinn für die Menschen vor Ort. Das gelingt, weil sie überschaubar sind, weil sie den Menschen vertraut sind und die Menschen wiederum ihrer Genossenschaft vertrauen, und weil sie eben regional verankert und damit identitätsstiftend sind.

Beide Grundpfeiler – langfristige Mitgliederorientierung und tiefgehende regionale Verankerung – werden, davon sind wir zutiefst überzeugt, auch bei allen künftigen Wandlungserfordernissen stabilisierend wirken. Dabei ist immer gut beraten, wer eng bei seinen Mitgliedern, Kunden und Mandanten und deren Wünschen und Bedarf ist. Das gilt umso mehr, je größer die tatsächlichen, vermeintlichen oder auch nur „gefühlten“ Unsicherheiten sind.

Ereignisse und Faktoren, die Unsicherheit schüren, gibt es leider mehr als genug. Das gilt sowohl im globalen als auch im kleineren Maßstab. Die Amerikaner haben Donald Trump zu ihrem nächsten Präsidenten gewählt, die Briten für einen Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union („Brexit“) gestimmt und die Italiener ihre Verfassungsreform abgelehnt. Populistische Kräfte versuchen die „Polykrise“ (EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker) noch anzuheizen mit dem Ziel, die EU möglichst zu Fall zu bringen. Protektionismus statt Freihandel und Nationalismus statt Weltoffenheit – wenn die Geschichte eines gelehrt hat, dann, dass dieses Zutaten aus der Giftküche sind und nicht heilbringende Arzneien.

In seiner Theorie der Anti-Fragilität plädiert der US-Ökonom Nassim Nicholas Taleb grundsätzlich für kleine Einheiten, nicht für große. Er empfiehlt, Europa muss die Subsidiarität stärken, um das ökonomische System stabiler zu machen. „Die Schaffung großer Entitäten ist der größte Unsinn der Welt. Um Risiken zu vermeiden, muss die Vielfalt maximiert werden, nur so können Risiken organisch gemanagt werden“. (1) Sein Rat sollte stärker Gehör finden – auf EU-Ebene, aber nicht nur dort.

Unsere Mitglieder und wir als ihr Dienstleistungsverband stellen uns weiteren, mittlerweile hinlänglich bekannten Umfeldbedingungen: Digitalisierung, Demografie, die vielen regulatorischen Vorgaben und der gesellschaftliche Wertewandel fordern mehr oder weniger alle Unternehmen heraus, hinzu kommen die Niedrig- und Negativzinsen, die besonders die Genossenschaftsbanken belasten. Mit unseren Dienstleistungen werden wir uns auch künftig inhaltlich möglichst passgenau auf den Bedarf unserer Mitglieder ausrichten, denn unsere Mitglieder stehen im Mittelpunkt unseres Tuns und zufriedene Mitglieder sind der Maßstab unseres Handelns.

Wir nehmen den Jahreswechsel wieder gerne zum Anlass, allen zu danken, die unsere Verbandsarbeit begleiten und unterstützen. Allen Vorständen, Geschäftsführern und Aufsichtsräten danken wir für ihren tatkräftigen Einsatz sowie die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit unserem Verband. Allen Mitgliedern unserer Gremien danken wir für ihre wertvolle beratende Unterstützung.

So flexibel, wie sich unsere Mitglieder an die sich ändernden Marktbedingungen anpassen, sind auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unseres Verbandes, die mit großem Engagement und hoher Kompetenz den gemeinsamen Erfolg unserer Verbandsarbeit erst ermöglichen. Hierfür sagen wir ebenfalls herzlichen Dank.

Ihnen und allen Leserinnen und Lesern wünschen wir Glück, Erfolg und persönliches Wohlergehen im Jahr 2017.

[1] Handelsblatt Nr. 64 vom 01.04.2015, S. 12.