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Delegation aus der Türkei zu Besuch bei deutschen Genossenschaftsinstitutionen

veröffentlicht im Genossenschafts-Magazin Weser-Ems, Ausgabe 04/2017

Der Deutsche Genossenschafts- und Raiffeisenverband (DGRV) organisierte für die Fortbildung einer elfköpfigen Delegation aus der Türkei für den Zeitraum vom 20. bis 24. Februar eine Fachbesuchsreise nach Deutschland.

 © GAW Rastede
Gäste und Organisatoren der Fachbesuchsreise in der Genossenschaftsakademie Weser-Ems mit Verbandsdirektor Axel Schwengels (hintere Reihe, 4. v. l.) und Akademieleiter Dr. Gerhard Kroon (l.)

Die Gruppe setzte sich zusammen aus drei Vertretern des türkischen Landwirtschaftsministeriums sowie acht Vertretern ausgewählter türkischer Genossenschaftsverbände. Ein Beitrag von Katharina Rohde, Master Development Studies, Abteilung Internationale Beziehungen beim DGRV.

Die Fachbesuchsreise fand im Rahmen des von der GFA mit BMEL-Mitteln geförderten Projekts Deutsch-Türkische Verbandspartnerschaft im Genossenschaftsbereich statt. Die Teilnehmer sind die Projektpartner des DGRV in der Türkei. Ziel der Studienreise war es, den Teilnehmern einen Einblick in das deutsche Genossenschaftswesen und seine Organisation sowie in die genossenschaftliche Aufsicht und Prüfung zu vermitteln. Schwerpunkte der Reise waren neben den Themen Aufsicht und Prüfung das Kennenlernen von genossenschaftlichen Unternehmen aus dem Bereich Landwirtschaft.

Die Gruppe besuchte den DGRV in Bonn, den Genossenschaftsverband Weser-Ems sowie die Genossenschaftsakademie Weser-Ems, die AGRAVIS Raiffeisen in Münster, die Molkereigenossenschaft Grafschaft Hoya, das genossenschaftlich organisierte Unternehmen MASTERRIND sowie den Senat für Wirtschaft, Energie und Betriebe in Berlin.

Als Auftakt der Fachbesuchsreise stellte der DGRV die deutsche Genossenschaftsorganisation mit ihren Verbandsstrukturen vor. Bei dem Besuch der AGRAVIS erhielten die Teilnehmer Einblicke in die Organisation und den Aufbau eines genossenschaftlichen Agrarhandelsunternehmens und dessen Distributionszentrums. Die Tatsache, dass es sich bei der Rechtsform der AGRAVIS um eine AG handelt, das Unternehmen aber dennoch als Genossenschaft organisiert ist, stieß bei den türkischen Delegierten auf großes Interesse. Gleiches gilt für die MASTERRIND, welche von den vier größten Zuchtgenossenschaften Deutschlands gegründet wurde und sich daher als Genossenschaft sieht und auch so organisiert ist. Zudem erhielten die Fachreiseteilnehmer bei MASTERRIND Informationen über moderne Zuchtverfahren und konnte bei der Jahresveranstaltung „Schau der Besten“ die Auktion von Rindern mitverfolgen. Weitere Einblicke in die landwirtschaftliche Genossenschaftswelt erhielt die Delegation durch den Besuch bei der Molkereigenossenschaft Grafschaft Hoya, bei der die Interaktion mit den Mitgliedern sowie die Bestimmung des Milchpreises diskutiert wurden. Zusätzlich gab es einen Rundgang durch die Produktionsstätte.

Bei dem Besuch des Verbandes wurde die türkische Delegation in die Aufgaben eines Genossenschaftsverbandes als regionaler Prüfungsverband und Dienstleister für die Genossenschaften der Region sowie in die Rolle der Genossenschaftsakademie Weser-Ems im genossenschaftlichen Aus- und Fortbildungssystem eingewiesen. Diese Informationen wurden ergänzt mit einem Besuch beim Senat für Wirtschaft, Energie und Betriebe in Berlin, wo die Rolle des Staates bezüglich der Wahrung des Genossenschaftsgesetzes und der Vergabe des Prüfrechts erläutert wurden. Ein Treffen mit Vertretern des BMEL und der GFA im Rahmen der Projektsteuerung fand am letzten Tag der Fachreise statt. Hier wurde sich über die Entwicklung des Projekts, welches im April letzten Jahres begann, ausgetauscht und ein erstes positives Feedback dazu von den verschiedenen Projektparteien kommuniziert.

Der DGRV zielt mit seinem derzeitigen Projekt darauf ab, ausgewählte Spartenorganisationen landwirtschaftlicher Genossenschaften dabei zu unterstützen, ihr Management effizienter zu gestalten und ihren Mitgliedern bedarfsgerechte Dienstleistungen zielgerichtet und nachhaltig anzubieten. Mit diesem Projektziel soll ein Beitrag zur Weiterentwicklung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft in der Türkei geleistet werden, so dass diese nachhaltig in der Lage ist, die Nahrungsmittelversorgung zu steigern und zur wirtschaftlichen Entwicklung im ländlichen Raum beizutragen. Direkte Zielgruppe und Partner des Projekts sind die drei zentralen nationalen Spartenorganisationen KÖY-KOOP, HAY-KOOP und TARIM-KOOP, sowie ihre regionalen Organisationen in den Provinzen Burdur (KÖY-KOOP), Balikesir (HAY-KOOP), Denizli (HAY-KOOP) und Canakkale (TARIM-KOOP).

Fachbesuchsreisen sind ein bewährtes Mittel für Projektpartner, um Stärken und Schwächen des eigenen Genossenschaftssektors besser einschätzen zu können sowie Impulse und Inspiration für die weitere institutionelle Entwicklung des Genossenschaftssektors zu erhalten.