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Verband trotzt schwieriger Phase in der Milchwirtschaft

veröffentlicht im Genossenschafts-Magazin Weser-Ems, Ausgabe 07/2017

Mitgliederversammlung des Landeskontrollverbandes Weser-Ems am 31. Mai in Hesel

 © Landeskontrollverband Weser-Ems
Der Vorstandsvorsitzende Anton Fortwengel, Geschäftsführer Dr. Ernst Bohlsen und der stv. Geschäftsführer Johann Bartels (alle vordere Reihe, ab 4. v. l.) mit den auf der Mitgliederversammlung anwesenden Vorstandsmitgliedern des Landeskontrollverbandes Weser-Ems

Im Bereich des Landeskontrollverbandes ist die Zahl der Milchviehbetriebe im Jahr 2016 um 5,9 Prozent auf rund 4.000 Betriebe im Weser-Ems-Gebiet gesunken, während die Zahl der Kühe mit 390.000 insgesamt in etwa gleichgeblieben ist. Damit werden durchschnittlich 100 Kühe auf den Betrieben gehalten.

Der Trend der vergangenen Jahre, dass es insgesamt immer mehr Kühe in Weser-Ems gibt, hat sich damit im letzten Jahr abgeschwächt. Hauptgrund ist der zwischenzeitlich sehr schlechte Milchpreis im vergangenen Jahr. Zudem konnte die Milchleistung der Kühe nicht auf dem zwischenzeitlich besserem Niveau gehalten werden. Insbesondere Witterungsprobleme haben in 2016 die Qualität des Grundfutters beeinträchtigt. Auch gutes Management auf den Betrieben konnte dies nicht komplett kompensieren, so dass die derzeitige Milchleistung bei 8.750 kg Milch pro Kuh und Jahr liegt.

Trotz der für die Landwirte extrem schwierigen Bedingungen in 2016 konnte der Geschäftsführer Dr. Ernst Bohlsen auf der Mitgliederversammlung des Landeskontrollverbandes Weser-Ems (LKV) auf ein erfolgreiches Jahr für den Verband zurückblicken. Neben der klassischen Milchkontrolle bietet der LKV seinen Mitgliedern immer umfangreichere Dienstleistungen zur Stärkung von Tierwohl und Tiergesundheit an.

Durch das Projekt GKuhPlus steht den Landwirten mittlerweile ein praxisreifes System für ein Gesundheitsmonitoring zur Verfügung. Das von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung geförderte Verbundprojekt bildet zudem die Grundlage für weiterführende Projekte der Zuchtverbände. Im Fokus stand und steht hierbei immer das Tier und dessen Gesundheit. Gesündere und leistungsfähigere Tiere sind das Ziel jedes Betriebes.

Auch die Digitalisierung schreitet immer weiter voran. Die Datenerfassung während der Milchkontrolle durch die Leistungsprüfer erfolgt bereits komplett über Smartphones mit spezieller Software. Aufgrund immer weiter steigender Anforderungen wurde die dafür bereits vorhandene Software im vergangenen Jahr neu programmiert. Viele Landwirte erledigen die Aufgaben im Herdenmanagement ebenfalls mit EDV-gestützten Systemen, oft auch in Verbindung mit entsprechenden Apps auf dem Smartphone. Rund 30 Prozent der Betriebe nutzen bereits Software-Anwendungen des LKV für das Herdenmanagement. So haben die Betriebsleiter immer den Überblick über die Tiere und die gesamte Herde.

Die seit einigen Jahren unter akkreditierten Bedingungen durchgeführten Hofaudits werden immer umfassender. Das klassische Qualitätsmanagement Milch wird mittlerweile durch weitere Module ergänzt. Im Bereich der Nachhaltigkeit geht es um Ökonomie, Ökologie, Tierwohl und soziale Aspekte und es wird immer der gesamte Betrieb in den Fokus genommen. Neben tierspezifischen Daten werden demnach auch Kennzahlen zur Liquidität des Betriebes erhoben, aber auch Aspekte wie wöchentliche Arbeitszeit und Möglichkeiten für Freizeit berücksichtigt. Ebenso der Einsatz der Landwirte für die Pflege von Landschaftselementen: 100 geleistete Stunden pro Jahr und Betrieb für die Landschaftspflege sind keine Seltenheit.

Beim VLOG-Audit geht es um die Erzeugung von Milch ohne gentechnisch veränderte Futtermittel. Diese ausschließlich in Deutschland relevante Entwicklung hat im letzten Jahr dazu geführt, dass nahezu jeder Verbrauchermarkt mittlerweile Milch mit dem Label „ohne Gentechnik“ im Angebot hat.

Der LKV bietet seinen Mitgliedern zu jeder Zeit Dienstleistungen mit höchsten Qualitätsansprüchen. Für den Bereich der Milchkontrolle gibt es dafür ein internationales Zertifikat. Das Ziel für alle Beteiligten ist immer wieder die Verbesserung der Gesundheit und Langlebigkeit der Kühe. Der aus Ostfriesland stammende Prof. Dr. Hermann Swalve von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg hat in seinem Vortrag züchterische Möglichkeiten aufgezeigt, mit denen die Tiergesundheit positiv beeinflusst werden kann. Hier liegt noch viel Potenzial für weitere Entwicklungen.