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Blogger zeigt Ursachen der Kritik an der heutigen Landwirtschaft auf

veröffentlicht im Genossenschafts-Magazin Weser-Ems, Ausgabe 02/2018

Mit Ursachen, Wirkungen und Gegenmaßnahmen zur Dauerkritik an der Landwirtschaft befasste sich Klaus Alfs auf zwei Agrarforen der Raiffeisen Ems-Vechte. Der gelernte Landwirt und Mitarbeiter am Europäischen Institut für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaft zeigte eindrucksvoll das Dilemma auf, in dem sich Landwirte befinden.

 © Raiffeisen Ems-Vechte
Agrarblogger Klaus Alfs (l.) und die Fachreferenten der Raiffeisen Ems-Vechte versorgten die Besucher des Agrarforums mit reichlich Stoff zum Nachdenken.

Für die Dauerkritik an der konventionellen Landwirtschaft machte Alfs die Vorstellung verantwortlich, alles Menschengemachte schädige die Natur. Die meisten Vorwürfe sind nicht mit Logik zu begründen, sondern in der reinen Annahme begründet, dass jeder Eingriff in die Natur zu einem Ungleichgewicht führe. Nachdem die Natur ein Schutzgut wurde und als solches in der deutschen Verfassung verankert worden ist, habe diese Auffassung noch einmal zugenommen. Die Bevölkerung geht davon aus, dass nur die unberührte Natur gut sei. Die Vorstellung der „guten Natur“ ist dabei so tief in den Köpfen verankert, dass sie sich nicht umpolen lässt. Dass  aber längst nicht alles Natur ist, was wir dafür halten, machte er am Beispiel der Lüneburger Heide deutlich. Heute als Naturreservat mit einem hohen Schutzstatus belegt, entstand die karge Landschaft mit ihren Heideflächen vor Jahrhunderten nur so, weil die dort heimischen Wälder für den Schiffsbau abgeholzt wurden. Seit Tausenden von Jahren ist also die Erde durch verschiedene Eingriffe vom Menschen geformt worden, ein „Nicht-Eingreifen“ ist gar nicht möglich.

Als weiteres Thema, das die Landwirtschaft zurzeit sehr umtreibt, griff Alfs die Kritik an jeglicher Tierhaltung und Nutzung der Tiere auf. Mit dem EU-Vertrag von Lissabon, der Tiere als fühlende Wesen bezeichnet, werden Tiere in vielen Diskussionen auf eine Stufe mit Menschen gestellt. In den Vorstellungen vieler Tierrechtler seien Tiere sogar die besseren  Menschen, sodass sie Menschenrechte für die Tiere fordern. Ausgehend von führenden Kräften an Elite-Universitäten in Großbritannien und den USA breitete sich die Vorstellung der Tierethik schnell über Bildungsschichten bis hin zur breiten Masse der Bevölkerung aus. Dabei ist die Überlegung, wie es Tieren in den heutigen Haltungssystemen geht, auf jeden Fall zu  begrüßen. Dass viele Tierrechtler, gemeinnützig anerkannte Tierrechtsorganisationen und prominente Veganer unter dem Deckmantel des Tierschutzes aber eigentlich an der Abschaffung jeglicher Form der Nutztierhaltung arbeiteten, tritt nur selten  offen zutage.

Alfs gab den anwesenden Gästen des Agrarforums nach seinem Vortrag den Rat, sich in den Diskussionen mit Gegnern der modernen Landwirtschaft nicht an Einzelthemen aufzuhängen. Seiner Meinung nach ist es viel wichtiger, den Mythos der gütigen Natur in den Köpfen der Menschen zu widerlegen. Für Blogger Alfs ist klar: „Landwirtschaft muss negative Kritikpunkte aufnehmen, sich in den Gegner hineinversetzen und dessen pauschalen Schlagworten und Klischees mit eigenen, aussagekräftigen Bildern begegnen.“

Die Gesamtaussage aller Argumente muss sein, dass die Landwirtschaft die Natur durch ihre Eingriffe verbessert. Die sozialen  Medien mit ihren hohen Reichweiten seien  dafür ein hervorragendes Mittel. Auf jeden Fall muss der Eintritt für die Landwirtschaft aktiv aufgenommen werden, sonst besteht  die Gefahr, dass die „Mikromeinung“ weniger Menschen eine ganze Gesellschaft kippt, wie es in der Vergangenheit mit dem Aus für Atomstrom der Fall war.  Verbesserte Haltungs-bedingungen Ems-Vechte-Vorstand Dieter Wessels wies auf dem Agrarforum auf die stetig verbes-serten Haltungsbedingungen in den Ställen sowie die intensiven Bemühungen um verminderte Nitratrückstände im Ackerbau. In dem Zusammenhang zeigte Harry  Stam, Spezialberater Milchvieh und Rindermast bei der Ems-Vechte, die Anforderungen in der künftig vom Bund geforderten Stoffstrombilanz eines jeden Betriebs auf. Denn um ein bestimmtes Höchstmaß an Mineralstoffen nicht zu überschreiten,  muss auch beim Futtermittel beispielsweise Phosphor eingespart werden. Das ist nicht so einfach, denn die im Futtermittel  häufig verwendeten Produkte Raps und Soja enthalten hohe Phosphoranteile.  

„Wir sind auf einem guten Weg“, ist Stam überzeugt. Florian Kröger, Leiter der Legehennenab-teilung, wies auf den Abschluss einer Ertragsschadensausfallversicherung in den Tierhaltungsbetrieben hin. Mit Blick auf den Fipronilskandal ist dies eine Lebensversicherung für jeden Betrieb. Im Hinblick auf die aufkeimende Afrikanische Schweinepest ist eine solche Absicherung unumg