zur Übersicht

Informationstagung für Geschäftsführer von Ländlichen Genossenschaften und Gesellschaften

veröffentlicht im Genossenschafts-Magazin Weser-Ems, Ausgabe 04/2018

Sehr gute Teilnahme von Geschäftsführern der Ländlichen Genossenschaften bei der diesjährigen „Geschäftsführertagung“ Ende Februar in Rastede

 © GVWE

 

Wie in jedem Jahr lag die Herausforderung der Organisatoren einmal mehr darin, für die Geschäftsführer der Ländlichen Genossenschaften und Gesellschaften ein abwechslungsreiches Programm für die zweitätige Veranstaltung zusammenzustellen. Der Schwerpunkt lag unter dem Stichwort Digitalisierung in den Genossenschaften. In weiteren Themenblöcken ging es um die Vermittlung aktueller Entwicklungen in den Bereichen Recht, Steuern, Rechnungswesen und Prüfung sowie im Verband und dem gesamten Raiffeisenverbund.

Der erste Tag der Veranstaltung wurde mit einem gemeinsamen Frühstück begonnen. In gewohnter Weise wird dies von den Geschäftsführern als gute Gelegenheit erachtet, sich mit den Berufskollegen auszutauschen.

Nach einer kurzen Begrüßung stellten die Verbandsdirektoren Johannes Freundlieb und Axel Schwengels im ersten Punkt der Tagesordnung die wirtschaftliche Situation unseres Verbandes dar. Darüber hinaus erläuterten sie die Neuerungen aus den Anpassungen des Genossenschaftsgesetzes, die Mitte des Jahres 2017 in Kraft getreten sind. Abgerundet wurde der Vortrag mit dem Thema Stärkung der Interessenvertretung der Ländlichen Genossenschaften.

Matthias Brucke von dem Unternehmen embeteco stellte in einem interessanten Vortrag die Auswirkungen und Chancen der Digitalisierung eindrucksvoll dar. Hierbei wurden auch Chancen, die sich für die Genossenschaften ergeben können, dargestellt und diskutiert. Die anschließende Diskussion zeigte, dass die Digitalisierung schon einen hohen Stellenwert bei den Ländlichen Genossenschaften hat.

Stefan Reinke, Prüfungsdienstleiter der Ländlichen Genossenschaften und Gesellschaften unseres Verbandes, bot den Geschäftsführern ein abwechslungsreiches Spektrum an Möglichkeiten dar, wie die eigene Generalversammlung zur positiven Außendarstellung genutzt werden kann. Dabei brachten so manche Praxisbeispiele die Geschäftsführer zum Schmunzeln und zum Nachdenken. Auch eine kleine Einlage von Kira Dieks, Mitarbeiterin der Genossenschaftsakademie Rastede mit Schwerpunkt Seminarorganisation, lockerte diesen Vortrag auf. Aus den Rückmeldungen verschiedener Geschäftsführer war zu entnehmen, dass man die Anregungen gerne aufgenommen hat und auch ein paar Tipps für die nächste Generalversammlung nutzen möchte.

Udo Lorenz, Geschäftsführer der GWS Gesellschaft für Warenwirtschafts-Systeme, stellte die neuen Anforderungen des Datenschutzes aus der im Mai 2018 in Kraft tretenden Europäischen Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO) dar. Die neuen Anforderungen sind ab Mai 2018 von allen Genossenschaften und Gesellschaften zu beachten und stellen sie vor große Herausforderungen in der täglichen Arbeit und Verwendung von persönlichen Daten von Kunden, Lieferanten und Mitgliedern. Er verwies auch auf eine am 9. April in Rastede stattfindende Veranstaltung zu diesem Thema.

Zum Thema Digitalisierung berichtete Marek Weber von der R+V Versicherung, wie sich die Genossenschaften und Gesellschaften gegen Cyber-Risiken, wie z.B. Hackerangriffe, versichern können. Dabei wurde deutlich, dass diese Versicherung nicht nur Schäden abdeckt, welche im eigenen Unternehmen oder bei Dritten entstehen, sondern auch bedeutende Dienstleistungen wie die aktive Unterstützung bei der Schadensmeldung oder in der Behebung von Schäden.

Im letzten Vortrag des ersten Veranstaltungstages informierte Prüfungsdienstleiter Reinke über aktuelle Entwicklungen aus Rechnungslegung und Prüfung. Von herausragender Bedeutung war der Austausch über die Erwartungen und die Aufgaben eines Geschäftsführers. Anzumerken ist, dass die dargelegten Inhalte im Vorfeld dieser Veranstaltung bereits auf den Informationstagen für die Ehrenämter von den dort anwesenden ehrenamtlichen Vorständen und Aufsichtsräten formuliert worden waren. Die sich während und nach der Vorstellung Reinkes ergebende Diskussion scheint es notwendig zu machen, dass sich die Geschäftsführer mit ihren ehrenamtlichen Vorständen und Aufsichtsräten über die gegenseitigen Erwartungen verständigen sollten. Denn eine enge, einvernehmliche Abstimmung über die Erwartungen und Aufgaben zwischen Ehrenamt und Hauptamt werden als wichtiges Kriterium für eine Weiterentwicklung der Genossenschaft erachtet.

Der Nachmittag dieses Veranstaltungstages wurde einem Besuch des EDEKA Zentrallagers in Wiefelstede gewidmet. Hier wurde eindrucksvoll in einer mehr als zweistündigen Führung gezeigt, welche Anforderungen große Lebensmitteleinzelhändler logistisch zu erfüllen haben und wie das moderne Zentrallager seitens der Logistik optimiert wurde, um die täglich anfallenden Wünsche der Kunden erfüllen zu können. Von vielen Teilnehmern wurde dies als ein Highlight der Geschäftsführertagung empfunden.

Eine gemeinsame Abendveranstaltung rundete den ersten Tag der Geschäftsführertagung ab. In gewohnter Weise schloss sich nach dem Abendessen ein gemütlicher Teil an, bei dem ein reger Austausch im geselligen Rahmen stattfand.

Der zweite Tag der Veranstaltung startete mit einem Vortrag von Harald Lesch, Abteilungsleiter Marketing-Verbundkoordination-Gründungsberatung. Seine Themen waren im Wesentlichen die Kampagnen, die entwickelt worden sind, um das Raiffeisenjahr 2018 zum 200. Geburtstag von Friedrich-Wilhelm Raiffeisen zu begleiten und damit auch eng verbunden die Stärkung der Marke Raiffeisen mit ihrem Markenzeichen, dem Giebelkreuz. In diesem Zusammenhang wurde auch noch einmal dargestellt, wie sich auch jede Genossenschaft an diesen Kampagnen zur Außendarstellung im Raiffeisenjahr beteiligen kann.

Simon Moorkamp, Leiter der Steuerabteilung, referierte in seinem Vortrag über aktuelle Entwicklungen im Steuerrecht und legte ausgewählte Fallstricke rund um die steuerliche Betriebsprüfung dar. Dieses für viele der Anwesenden schwer zugängliche Thema konnte durch Moorkamp mit praktischen Beispielen hinterlegt werden, so dass die aufgezeigten Inhalte dem Publikum gut verständlich präsentiert wurden.

Der nächste Referent, Christoph Hüsing vom Verein Land.Schafft.Werte., war einigen der anwesenden Geschäftsführer noch von der letzten Geschäftsführertagung in Erinnerung. Neben seiner Reflektion über das erste Jahr des Vereins nach der Gründung befasste er sich mit den unterschiedlichen Social Media – Kanälen wie Twitter, Facebook, Instagram & Co. Besonders wertvoll waren die zahlreichen Praxisbeispiele aus dem Alltag seines Arbeitslebens: Wie sind die verschiedenen Kanäle der Social Media zu „bespielen“, um eine bedeutsame Resonanz zu bekommen und ein positives Image zu transportieren? Dabei gab er einige hilfreiche Tipps, die von den Genossenschaften genutzt werden können, um ihren Bekanntheitsgrad weiter zu erhöhen.

Hartmut Brand, Mitarbeiter der IT-Organisation unseres Verbandes, schloss den Themenbereich Social Media ab. Ausgerichtet war sein Vortrag auf die Risiken, die die Nutzung von WhatsApp und vergleichbare Messangerdienste bergen, wenn sie im betrieblichen Gebrauch eingesetzt werden. In diesem Zusammenhang stellte Brandt auch Alternativen zu WhatsApp dar.

Wie auch in den letzten Jahren, stellte Prüfungsdienstleiter Reinke die Entwicklung der betriebswirtschaftlichen Kennzahlen der Genossenschaften und Gesellschaften unseres Verbandes dar. Der Betrachtungszeitraum umfasste die Jahre 2014-2016 und stellte innerhalb der Bereiche Viehvermarktung und Ware die Werte gegenüber. In diesem Jahr wurde die Gruppe der zu vergleichenden Genossenschaften und Gesellschaften aus dem Warenbereich durch 23 genossenschaftliche Unternehmen aus dem Verbandsgebiet des Raiffeisenverbandes Westfalen-Lippe (RVWL) erweitert. Dadurch stand den Genossenschaften und Gesellschaften erstmalig auch ein Vergleich über die Verbandsgrenzen hinweg zur Verfügung.

„Sowohl die viehvermarktenden als auch die warenführenden Genossenschaften und Gesellschaften müssen aufgrund der erwirtschafteten Ergebnisse im obig genannten Zeitraum einen Fremdvergleich nicht scheuen, haben sie doch wirtschaftlich eine sehr solide Basis, von der aus sie ihre Geschäfte betreiben“, so Reinke abschließend.

Am Nachmittag berichtete Akademieleiter Dr. Gerhard Kroon über die vielfältigen Möglichkeiten der Genossenschaftsakademie Weser-Ems (GAW) bei der Unterstützung der Genossenschaften in der Mitarbeiterqualifizierung, der Organisation ihres Personalmanagements und ihrer Personalmaßnahmen sowie die Unterstützung hinsichtlich der innerbetrieblichen Kommunikation. „Auch dieses Leistungsspektrum stellen wir den Genossenschaften als Serviceangebot zur Verfügung“, so Dr. Kroon.

Zum Abschluss der Tagung berichtete Dieter Meyer von der MCON Dieter Meyer Consulting über Fördermöglichkeiten in Niedersachsen, die auch den Genossenschaften zur Verfügung stehen. Die Förderungsmöglichkeiten bezogen sich auf die Energieeffizienz, die Qualifizierung von Personal und Projekte im ländlichen Raum.