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Das Notprogramm für die spontane Rede

veröffentlicht im Genossenschafts-Magazin Weser-Ems, Ausgabe 07/2018

In Ergänzung des Artikels „Darf ich mal um´s Wort bitten?“, Ausgabe 06/2018, von Arne Oltrogge, gibt der Autor hier noch praktische Hinweise, wenn jemand spontan gebeten wird, eine Rede zu halten.

Ich selbst habe es schon erlebt, dass der Geschäftsführer eines Unternehmens zu einer Führungskraft neben ihm sagte: „Übrigens, Herr Soundso, die Grußworte halten Sie denn gleich mal.“ Sie können sich die Begeisterung auf der Gegenseite vorstellen. Die Führungskraft hatte gerade mal gefühlt fünf Minuten Zeit, sich auf diese Situation vorzubereiten. Die Intention war klar. Herr Soundso wurde von seinem Geschäftsführer auf die Probe gestellt. Was braucht es an dieser Stelle, um souverän „abzuliefern“?

Ein Notprogramm muss aufgerufen werden, das binnen kürzester Zeit hochgefahren werden kann. Und warum funktioniert ein Notprogramm im Fall der Fälle? Genau! Weil es vorher in Ruhe erlernt und geprobt wurde. Ein solches Notprogramm zu verinnerlichen ist die halbe Miete. Sie sollten sich darüber bewusst sein, dass der Anspruch an eine Spontan-Rede logischerweise nicht so hoch sein kann, wie bei einer lang vorbereiteten Rede. Konzentrieren Sie sich also lieber auf die Basics, anstatt lange darüber nachzudenken, welchen kreativen Looping Sie wohl drehen könnten. Das erwartet keiner von Ihnen. Machen Sie in der Einleitung souverän darauf aufmerksam, dass es sich um eine spontane Rede handelt. Zum Beispiel so: „Herzlichen Dank, Herr/ Frau XY dass Sie mir so spontan die Möglichkeit geben, einige Worte über Frau/ Herrn Z zu sagen. Ich werde Ihrem Wunsch selbstverständlich sehr gern nachkommen“. Was danach immer funktioniert, sind folgende drei Stationen: 

  1. Vergangenheit: Wie war es früher mit der Person/ in der Firma; oder wie war es früher ohne die Person/ die Firma?
  2. Gegenwart: Wie ist es gerade mit der Person/ in der Firma?
  3. Zukunft: Was wünscht man sich in Bezug auf die Person/ Firma? Wo sehen Sie sich mit der Person/ Firma in einigen Jahren? 
  4. Auch hier kann die Rede mit der Formulierung einer Handlungsaufforderung oder einer Erwartungshaltung beendet werden. „Und nun lassen Sie uns gemeinsam einen schönen Abend haben.“