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Skibicki spricht auf Vertreterversammlung der Volksbank Jever

veröffentlicht im Genossenschafts-Magazin Weser-Ems, Ausgabe 07/2018

Tradition bewahren – Zukunft gestalten.

 © Gabriel Jürgens / Wilhelmshavener Zeitung
Tradition und Moderne auf der Vertreterversammlung der Volksbank Jever eG: Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Roboter „Pepper“ mit dem Vorstandsvorsitzenden Michael Engelbrecht (v. r.), der Aufsichtsratsvorsitzenden Doortje Sabin, Prof. Dr. Klemens Skibicki sowie den Vorstandsmitgliedern Martin Schadewald und Lambert Meyer

Bereits im Empfangsbereich des Theater am Dannhalm in Jever standen zwei besondere Gäste, die die Kernbotschaft „Tradition bewahren – Zukunft gestalten. Beständigkeit und Fortschritt in Balance halten“ der Vertreterversammlung der Volksbank Jever eG widerspiegelte: Friedrich-Wilhelm Raiffeisen und der humanoide Roboter „Pepper“.

Der Vorstandsvorsitzende Michael Engelbrecht ging gleich bei seiner Begrüßung auf das 200. Raiffeisen-Jubiläumsjahr ein. „Die Genossenschaft ist nicht nur eine Rechtsform, sondern vielmehr eine Philosophie“ so Engelbrecht. Weiter betonte er, dass die Bank hellwach sein müsse. „Mit unserem traditionellen Geschäftsmodell sind wir sehr erfolgreich, aber wir dürfen uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen“. Die Niedrigzinsen sorgen für einen anhaltenden Ertragsdruck. Ausufernde Kosten durch die Regulatorik, zuletzt mit der Datenschutzverordnung, kommen hinzu. „Wir planen pro Jahr mit einem soliden Wachstum von zwei bis drei Prozent. Aber das reicht nicht aus, um die Kostensteigerung komplett auszugleichen.“ Ihm sei bewusst, dass Kosteneinsparungen notwendig sind - hier könne die Digitalisierung unterstützend wirken. Aber das allein sei keine Strategie und er warnte, das Tempo des technischen Fortschritts auf keinen Fall zu unterschätzen. Nicht zuletzt um den Kundenansprüchen gerecht zu werden.

Genau hier setzte der Wirtschaftshistoriker und Kölner Hochschullehrer, der an der Cologne Business School im Deutschen Institut für Kommunikation und Recht im Internet lehrt, Prof. Dr. Klemens Skibicki, mit seinem Gastvortrag über „Digitale Transformation“ an. Zunächst erinnerte er die Zuhörer daran, dass sie selbst in jungen Jahren so manche Transformation begeistert mitgemacht haben, die ihre Elterngeneration damals auch befremdete. Sei Credo: „Früher war nicht alles besser, nur weil wir es so gelernt haben“. Die Schwierigkeit läge nicht darin, neue Ideen zu finden, sondern die alten loszuwerden, zitierte er John Maynard Keynes. Und gab der Volksbank Jever eG die Empfehlung, stets offen für Neues zu sein. Weiter stellte Skibicki fest, dass Deutschland im Begriff sei, weltweit zum Schlusslicht zu werden. Der Glasfaserausbau sei „erbärmlich“ und die Teilhabe an der Innovation bedrückend niedrig. Er machte es an den Milliarden-Euro-Start-Ups fest. „Die vier reichsten Deutschen sind Erben. - die vier reichsten Amerikaner Self-Made-Millionäre“, das spreche Bände, so Skibicki. Weil man in Europa und Deutschland mit dem Bewährten besonders erfolgreich war, tue man sich hier anders als z. B. bei den Schwellenländern besonders schwer, sich auf Neues einzustellen, führte er weiter fort.

Die junge Generation steht im überalterten Deutschland mit ihrem Selbstverständnis isoliert dar. Sie nutze einfach nur die Möglichkeiten, die sich ihr bieten. So unterscheide ein 15-Jähriger heute nicht mehr zwischen online und offline. Er ist immer online. Kein entweder oder sondern sowohl als auch, so Sibicki. Für die Geschäftswelt bedeutet dies, dass es keine Onlinekunden, sondern ausschließlich Kunden gibt. Verkäufer haben es somit schwerer, weil Kunden ihre Vertrauenspersonen stets bei sich tragen.

Die Datenschutzgrundverordnung sieht Skibicki als Katastrophe an, da sie Europa nur weiter von der Entwicklung abkoppele, aber mit Blick auf Facebook und Co. überhaupt nichts bringe. Nutzer sanktionierten es selbst, wenn ihre Daten durch einen Anbieter missbraucht werden. Und genau für diesen Fall brauche es Gesetze – aber nicht präventiv. Die Digitale Reise werde sich ohnehin weiter fortsetzen, so der Wirtschaftshistoriker abschließend.

Durch die Vertreterversammlung führte die Aufsichtsratsvorsitzende Doortje Sabin. Vorstandsmitglied Lambert Meyer präsentierte die positiven Entwicklungszahlen: Die Bilanzsumme stieg um rund 28 Millionen Euro auf 930 Millionen Euro (plus 3,1 Prozent). Tragende Säulen waren das Kreditgeschäft mit 709 Millionen Euro (plus 3,1 Prozent) und das Einlagengeschäft mit über 623 Millionen Euro (plus 1,3 Prozent). Mit dem zusätzlichen Volumen in Höhe von 487 Millionen Euro, das die Volksbank Jever eG über ihre genossenschaftlichen Verbundpartner betreut, ergab sich ein Gesamtvolumen von über 1,8 Milliarden Euro. Das ordentliche Betriebsergebnis 2017 liege zwar mit 8,0 Millionen Euro leicht unterhalb des Vorjahres mit 8,4 Millionen Euro, so Meyer, sei bei den aktuellen Rahmenbedingungen aber als zufriedenstellend einzustufen.

Die Vertreter beschlossen, dass aus dem Überschuss in Höhe von 1,9 Millionen Euro eine Dividende von 6 Prozent an die Mitglieder ausgeschüttet wird. Die Aufsichtsmitglieder Burkhard Harms (stellv. Aufsichtsratsvorsitzender), Dr. Inka Bessel-Habeck (Mandat Jever) und Uwe Coordes (Mandat Schortens) wurden einstimmig wiedergewählt.