zur Übersicht

Milchviehforum der Raiffeisen Ems-Vechte mit Blick in die Zukunft

veröffentlicht im Genossenschafts-Magazin Weser-Ems, Ausgabe 02/2019

Wie es um die Wettbewerbsfähigkeit der Milcherzeuger in Nordwestdeutschland bestellt ist, beleuchtete auf dem Milchviehforum der Raiffeisen Ems-Vechte Hauke Tergast vom Thünen-Institut in Braunschweig. Er stellte fest, dass die norddeutschen Landwirte sehr „kosten- und leistungseffizient“ arbeiten. Das Milchviehforum fand in diesem Jahr an den Veranstaltungsorten in Wilsum, Dörpen und Klein Berßen statt.

 © Raiffeisen Ems-Vechte
Die Referenten der Milchviehforen in Wilsum (v. l.): Vorstand Albert Weersmann, Bertwin Hurink, Hermann Kethorn, Henning Haandrikman, Hauke Tergast vom Thünen-Institut sowie Jan Paus

Die Milchleistung der hiesigen Kühe ist auf einem hohen Niveau, die Arbeitsproduktivität je Stunde ebenso. Dazu kommt, dass viele Betriebe die Kostenseite immer sehr genau im Blick behalten, führte Tergast aus. In den zurückliegenden zehn Jahren ist die weltweite Nachfrage nach Milch um fast zweieinhalb Prozent je Jahr gestiegen. Hinzu kam, dass in den letzten Jahren die Nachfrage nach hochwertigen tierischen Fetten stetig anstieg. Grund dafür sind unter anderem das weltweite Bevölkerungswachstum, veränderte Konsumgewohnheiten und die wachsende Kaufkraft in Ländern wie China. Diese Entwicklung biete Chancen für die heimischen Milcherzeuger. Steigende Nachfrage in Drittländern könnte die Milcherzeugung in Europa ankurbeln.

Das Thünen-Institut hat für seine Einschätzung in Zusammenarbeit mit dem IFCN in Kiel einen typischen norddeutschen Milchviehbetrieb mit landestypischen Betrieben aus den USA, Neuseeland, Russland, Indien und Peru verglichen. Dabei wurden die Bereiche Betriebsgröße, Arbeitsproduktivität, Milchleistung, Milchpreis und Kostenstruktur verglichen. Im Vergleich zu Deutschland ist der Milchpreis in Neuseeland geringer, dafür sind aufgrund der ganzjährigen Weidehaltung dort auch die Produktionskosten niedriger. In Bezug auf die Milchleistung je Kuh könne man die guten nordwestdeutschen Betriebe mit denen aus den USA vergleichen. Trotz zum Teil höherer gesetzlicher Auflagen in Deutschland und der unterschiedlichen Produktionsarten sind die Betriebe hier durchaus konkurrenzfähig, wenn sie „ihre Produktionstechnik im Griff haben“, resümierte Tergast.

Als eine aktuelle Herausforderung im Wettbewerb bezeichnete Jan Paus die Regionalität. Der Futtermitteloptimierer der Raiffeisen Ems-Vechte berichtete von Forderungen des Lebensmitteleinzelhandels, wonach Futtermittel nur noch aus der Region stammen sollen. Viele der Eiweißkomponenten im Futter kommen bislang aus Übersee, nun gewinnen Herkünfte aus Europa immer mehr an Bedeutung. Weitere Themen, die die Genossenschaft und die Landwirtschaft in der Grafschaft bewegen, sind gentechnikfreies Futter und die neue Düngeverordnung. Über neue Futterzusammenstellungen und Senkung speziell der Phosphatbestandteile im Futter soll der Nährstoffanfall auf den Betrieben gesenkt werden können.

Zurzeit wird nach seinen Angaben dafür ein neues Nährstoffberechnungsmodell getestet, dass auf niederländischen Betrieben schon seit Längerem angewendet wird, so Paus. Die limitierende Aminosäure wird dabei dem Futter zugesetzt, sodass auch die weiteren Nährstoffe besser verwertet werden. Insgesamt kann damit noch genauer auf den Nährstoffbedarf der Kühe eingegangen werden. Ungenutzte Nährstofffrachten werden minimiert, der Stoffwechsel der Kühe dadurch entlastet. Die höheren Futterkosten müssen dabei den Kosten für überbetriebliche Gülleabgabe gegengerechnet werden, merkte Paus an.

Henning Haandrikman, Futtermittelberater bei der Raiffeisen Ems-Vechte, regte die Landwirte an, über einen Einsatz von zugesetzten Aminosäuren nachzudenken. Denn „das Futter von heute ist die Gülle von morgen“, stellte er fest. Zudem kündigte er an, dass 2019 wieder halbtägige Hofseminare zum Thema „Hygiene“ angeboten werden.

Bertwin Hurink bzw. Stefan Kremer, Ackerbauberater der Raiffeisen Ems-Vechte, stellten die aktuelle Maissortenempfehlung vor. Diese Empfehlung beruht auf den Ergebnissen und Erfahrungen von mehreren Jahren und zeichnet sich durch robuste und leistungsstarke Maissorten aus. Neben der Empfehlung wurde auch das Prinzip der teilflächenspezifischen Maisaussaat erläutert. Dadurch lässt sich die Effizienz im Maisanbau steigern und in immer häufiger werdenden Extremjahren Erträge und Qualitäten sichern.

Geschäftsführer Wilhelm Funke und Vorstandsmitglied Albert Weersmann dankten den anwesenden Kunden für Ihre Treue und die erfolgreiche Zusammenarbeit. Der Mischfutterabsatz läuft nach dessen Aussagen seit mehreren Jahren erfolgreich. Sie berichteten von Planungen, die Mischfutterkapazitäten im Werk Dörpen um eine weitere Mischlinie und damit um 100.000 t/Jahr zu erhöhen. In Laar wurde jüngst die Genehmigung zur Verdoppelung der Produktionskapazität erteilt. Künftig werden hier bis zu 1.200 t pro Tag hergestellt. In Klein Berßen laufen unterdessen Überlegungen zur Ausweitung der Tagesproduktionsmenge von derzeit 300 t auf 450 t. Auch für das Mischfutterwerk der Naturmühle in Hoogstede, in dem Biofutter für Legehennnen, Schweine und Rinder hergestellt wird, werden derzeit die Produktions- und Lagerkapazitäten erweitert. Ein erfolgreicher Mischfutterverkauf gelinge aber nur durch engagierte Mitarbeiter in allen Bereichen. „Diese Mitarbeiter haben wir und darauf sind wir unglaublich stolz“, lobten Funke und Weersmann die Belegschaft der Genossenschaft.