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„Anleger-Dialog“: Die Schiffskreuzfahrt aus der Investorensicht

veröffentlicht im Genossenschafts-Magazin Weser-Ems, Ausgabe 03/2019

Ingo Speich, leitender Manager der Nachhaltigkeitsfonds der Union Investment, sprach auf einer Veranstaltung der Volksbank Vechta. Der Vermögensverwalter erläuterte den Begriff der Nachhaltigkeit aus der Bankerperspektive. Fondsmodelle werden nach seinen Aussagen verstärkt von jüngeren Anlegern nachgefragt.

 © Volksbank Vechta eG
Ingo Speich, leitender Manager der Nachhaltigkeitsfonds der Union Investment und Referent des Anleger-Dialogs.

Das Geldvermögen der Deutschen beläuft sich auf über sechs Billionen Euro. Angelegt sind die Gelder aber immer noch vor allem in Bargeld und festverzinslichen Bankeinlagen. In den Zeiten der nahe Null laufenden Zinsen für das Sparbuch wenden sich die Anleger jetzt aber verstärkt dem Aktienmarkt zu. Geld unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit anzulegen, ist dabei ein „Megatrend“ im Finanzsektor und „für unsere jungen Kunden unter 30 Jahren ein enorm wichtiges Thema“, so der Sprecher des Vorstandes der Volksbank Vechta, Dr. Martin Kühling. Der erste „Anleger-Dialog“ der Volksbank stand dann auch unter der Überschrift „Der Kapitalmarkt durch die Brille der Nachhaltigkeit“. Über 100 Interessierte kamen zu der Veranstaltung, um den einstündigen, mit zahlreichen, durchaus allgemeingültigen, Hinweisen gespickten Vortrag von Speich zu hören.

Wer vor zehn Jahren nachhaltig investiert hat, könne sich heute über einen Zuwachs von rund 40 Prozent freuen, so Speich. „Nachhaltigkeit bedeutet nicht Renditeverzicht! Unter Nachhaltigkeit versteht heute jeder etwas anderes“, erklärte Speich. Nachhaltigkeit in der Bankersprache bedeute aber „viel mehr als nur die Tatsache, dass ein Unternehmen umweltbewusst handelt“. Die Beurteilung nach ökologischen Aspekten sei ein wesentliches Kriterium, darüber hinaus werde aber zwingend auf die Erfüllung von Standards in der verantwortungsvollen Unternehmensführung und auf soziale Kriterien geschaut. Verschmutzung der Umwelt, Brandrodung von Regenwald zugunsten von Monokulturen, Verletzung von Arbeitsstandards, hohe Risiken durch Unfälle in der Produktion, hohe Risiken durch anstehende Rechtsverfahren und Klagen im Angesicht mangelhafter Produkte oder sogar Staatskorruption: „So manches Papier wird von uns ausgeschlossen.“

Die Bewertung der Anlageperspektiven wird zunehmend von regulatorischen Zwängen im Klima- und Umweltschutzbereich beeinflusst: „Die Autohersteller werden von der Politik in die Elektroantriebe gedrängt, denn nur so können sie die Schadstoffgrenzen einhalten.“ Es ist aber „allen klar“, dass der E-Antrieb nur Übergang zur Brennstoffzelle und dem Wasserstoff-Antrieb ist, so Speich weiter. „Die jetzt erforderlichen Investitionen bedeuten aber hohe Kosten für die Unternehmen. Kosten aber sind Geld, das letztlich den Anlegern vorenthalten wird.“ Und: „Wie bewertet man Vermögenswerte wie Patente?“ Oder: Wie entwickeln sich die Konkurrenten? Etwa der amerikanische Autohersteller Tesla.

China habe große Probleme mit Smogwetterlagen. Um die Feinstaubbelastung zu senken, „dürfen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren nur noch an bestimmten Tagen fahren. Das führt zu einer massiven Änderung des Nutzungsverhaltens!“, erklärte Speich. Und fügte hinzu: „VW hat in China einen Marktanteil von 20 Prozent…“

„Die zehn größten Containerschiffe der Welt verursachen in einem Betriebsjahr so viel Schadstoffausstoß wie 750 Millionen Pkw. Kreuzfahrtschiffe fahren noch fast alle mit Schweröl. Norwegen will aufgrund der hohen Feinstaubbelastung landnahe Schiffsrouten sperren. Wollen die Kreuzfahrer dort und anderswo im Geschäft bleiben, müssen sie auf Dieselöl-Antrieb umstellen. Jede Pauschalreise wird dadurch teurer. Die Schifffahrtsbranche wird umdenken müssen“, resümierte Speich abschließend, der viel Applaus für seinen faktenreichen Vortrag erhielt. Zum „Anleger-Dialog“ wird die Volksbank Kunden künftig jährlich einladen.