Praxis erleben: Schülerfirmenmesse in Lingen
veröffentlicht im Genossenschafts-Magazin Weser-Ems, Ausgabe 06/2026
Von links: Dieter Krone (Oberbürgermeister Stadt Lingen), Reinhold Tattermusch (Regionalkoordinator für nachhaltige Schülerfirmen im südlichen Emsland und Grafschaft Bentheim), Jürgen Hölscher (Vorstand Emsländische Volksbank eG), Nina Peuckert (Projektmanagerin Bildung & Fachkräfte Wirtschaftsvereinigung Grafschaft Bentheim e.V.) und Marc-André Burgdorf (Landrat Landkreis Emsland)
Schülerfirmen bieten Jugendlichen die Möglichkeit, wirtschaftliche Zusammenhänge nicht nur theoretisch zu erlernen, sondern aktiv zu erleben. Genau diesen Ansatz machte die Schülerfirmenmesse in Lingen sichtbar: Schülerinnen und Schüler schlüpften in die Rolle von Unternehmerinnen und Unternehmern, stellten ihre Projekte vor und führten eigenständig Gespräche mit potenziellen Kunden.
Wie Verbandsdirektor Johannes Freundlieb in seinem Grußwort betonte, lernen die Jugendlichen in diesen Projekten „direkt, wie ein Unternehmen funktioniert“ – von Marketing und Organisation bis hin zu Kundenkontakt und finanziellen Entscheidungen. Damit wird Schule um eine wertvolle Dimension ergänzt: praxisnahes Lernen, das Eigeninitiative, Verantwortung und Teamarbeit fördert.
Zentrale Bühne im Herzen der Stadt
Ein
entscheidender Erfolgsfaktor der diesjährigen Messe war der
Veranstaltungsort. Mit dem Lookentor als zentralem Einkaufszentrum in
Lingen wurde bewusst eine starkfrequentierte Umgebung gewählt. Die
Schülerfirmen konnten so ihre Angebote nicht nur untereinander, sondern
vor allem einer breiten Öffentlichkeit präsentieren. Die exponierte Lage
ermöglichte zahlreiche Gespräche mit Passanten und potenziellen
Kundinnen und Kunden. Für die jungen Gründerinnen und Gründer war dies
eine ideale Gelegenheit, ihre Produkte zu erklären, Feedback einzuholen
und erste Vertriebserfahrungen zu sammeln.
Vielfalt der Ideen und Projekte
Die Bandbreite
der präsentierten Schülerfirmen war beeindruckend und reichte weit über
klassische Schulprojekte hinaus. Vorgestellt wurden sowohl
Dienstleistungen als auch innovative Produkte – von sozialem Engagement
bis hin zu technisch anspruchsvollen Lösungen.Reinhold Tattermusch,
Regionalkoordinator für nachhaltige Schülerfirmen im südlichen Emsland
und in der Grafschaft Bentheim , zeigte sich ebenso begeistert wie
Jürgen Hölscher, Vorstand der Emsländischen Volksbank eG, und
Verbandsdirektor Johannes Freundlieb. Besonders hervorgehoben wurde die
große Spannbreite der Projekte:
- Betreuung und Unterstützung von Grundschulkindern
- Reparatur und Wartung von Landmaschinen
- Bau und Programmierung eines humanoiden Roboters
- Einsatz moderner Technologien wie 3D-Druck
Diese
Vielfalt verdeutlicht, wie breit das Spektrum unternehmerischer Ansätze
bereits im schulischen Kontext sein kann – und wie ernsthaft die
Schülerinnen und Schüler ihre Projekte verfolgen.
Schülergenossenschaften als besonderes Modell
Ein
Teil der präsentierten Unternehmen waren Schülergenossenschaften, die
nach genossenschaftlichen Prinzipien organisiert sind. Die Emsländische
Volksbank eG begleitet aktuell vier solcher Schülergenossenschaften in
der Region und unterstützt sie bei Aufbau und Entwicklung. Hier steht
nicht nur wirtschaftlicher Erfolg im Vordergrund, sondern auch
gemeinschaftliches Handeln. Entscheidungen werden demokratisch
getroffen, Verantwortung wird geteilt. Damit vermitteln
Schülergenossenschaften zentrale Werte wie Mitbestimmung, Solidarität
und nachhaltiges Wirtschaften bereits in jungen Jahren.
Wettbewerb fördert Präsentationsstärke
Ein
besonderes Highlight der Messe war ein Pitch-Wettbewerb, bei dem vier
Schülergenossenschaften ihre Projekte auf der Bühne präsentierten. In
kurzen, prägnanten Beiträgen stellten sie ihre Ideen vor und überzeugten
mit Kreativität und Professionalität. Die Präsentationen zeigten
eindrucksvoll, wie sicher viele der Jugendlichen bereits auftreten und
ihre Konzepte vermitteln können. Alle teilnehmenden Teams wurden für
ihre Leistungen ausgezeichnet – ein zusätzlicher Anreiz, sich intensiv
auf die Messe vorzubereiten.
Parallel dazu wurden die Messestände von
Referendarinnen des Studienseminars in Nordhorn bewertet. Kriterien wie
Gestaltung, Inhalt und Kundenansprache flossen in die Bewertung ein und
gaben den Schülerinnen und Schülern wertvolles Feedback zu ihrer
Arbeit.
Lernen für die Zukunft
Die Schülerfirmenmesse
machte deutlich, welchen Bildungswert solche Projekte haben. Neben
fachlichen Kenntnissen erwerben die Jugendlichen wichtige
Schlüsselkompetenzen: Kommunikationsfähigkeit, Teamarbeit,
Selbstständigkeit und Problemlösungskompetenz. Zugleich tragen viele
Projekte auch soziale oder nachhaltige Aspekte in sich – ein wichtiger
Beitrag zur Bildung für nachhaltige Entwicklung. Dass
Schülergenossenschaften für ihr Engagement bereits mit einer nationalen
Auszeichnung gewürdigt wurden, unterstreicht diese Bedeutung. Für viele
der Beteiligten bietet die Arbeit in Schülerfirmen zudem eine wertvolle
Orientierung für den weiteren beruflichen Weg.



