Vom regionalen Modell zur bundesweiten Plattform: stroya bringt Mieterstrom in die Fläche
veröffentlicht im Genossenschafts-Magazin Weser-Ems, Ausgabe 06/2026
Von links: Marco Kurlemann, Geschäftsführer VR Immobilienservice GmbH, Roman Ginzburg, Geschäftsführer stroya, Arne Reuter, Geschäftsführer stroya, Oliver Pohl und Andreas Knief, beide Vorstand Volksbank Haselünne eG
Die Ursprünge von stroya liegen im Emsland: Die Volksbank Haselünne
eG hat 2022 mit der Gründung der Mieterstrom Hasetal GmbH auf konkrete
Kundenbedarfe reagiert. Ziel war es, Photovoltaikstrom direkt zu Mietern
zu bringen – ein naheliegendes Konzept, das in der Praxis jedoch lange
an komplexen Prozessen gescheitert ist.
„Unsere Immobilienkunden
haben uns um Unterstützung gebeten“, erläutert Marco Kurlemann von der
Volksbank. Da es keinen geeigneten Anbieter gab, entwickelte die Bank
selbst eine Lösung weiter – zunächst regional, dann Schritt für Schritt
skalierbar.
Nach mehreren erfolgreich umgesetzten Projekten wurde das Modell gemeinsam mit amberra sowie weiteren Partnern strategisch weiterentwickelt. Mit der Umfirmierung zu stroya erfolgt nun der konsequente nächste Schritt: die bundesweite Ausweitung.
Mieterstrom als ungenutztes Potenzial
Das Konzept
hinter stroya ist einfach: Strom aus Photovoltaikanlagen auf
Mehrfamilienhäusern wird direkt vor Ort genutzt. Trotz dieses
naheliegenden Ansatzes bleibt das Potenzial bislang weitgehend
ungenutzt. Weniger als ein Prozent der geeigneten Dachflächen wird
aktuell für Mieterstrom genutzt – gleichzeitig könnten Millionen
Mieterinnen und Mieter davon profitieren. Die Gründe liegen vor allem in
der Komplexität der Umsetzung. Planung, Finanzierung, Betrieb und
Abrechnung sind bislang fragmentiert und aufwendig. Genau hier setzt
stroya an und bündelt diese Prozesse in einem integrierten Ansatz.
Full-Service als Schlüssel zum Erfolg
stroya
versteht sich als Full-Service-Anbieter, der sämtliche Schritte aus
einer Hand organisiert – von der technischen Konzeption über die
Einbindung regionaler Handwerkspartner bis hin zur rechtssicheren
Abrechnung. Dieses Modell vereinfacht die Umsetzung erheblich und
schafft klare Vorteile für alle Beteiligten: Eigentümer profitieren von
zusätzlichen Einnahmen und einer Aufwertung ihrer Immobilie, während
Mieter Strom direkt vom eigenen Hausdach beziehen können.
„Wir haben
in den vergangenen Jahren gezeigt, dass Mieterstrom wirtschaftlich
funktioniert“, betont Geschäftsführer Roman Ginzburg. „Jetzt geht es
darum, dieses Modell in die Breite zu bringen.“
Genossenschaftliche Zusammenarbeit als Treiber
Ein
wesentlicher Erfolgsfaktor liegt in der engen Einbindung der
genossenschaftlichen FinanzGruppe. Mit amberra, dem
Corporate-Venturing-Studio der Volksbanken und Raiffeisenbanken, wurde
das ursprünglich regionale Modell gezielt in eine skalierbare Plattform
überführt. Dabei übernehmen Genossenschaftsbanken eine zentrale Rolle –
nicht nur als Finanzierungspartner, sondern auch als Vertriebspartner
und Multiplikatoren. Durch ihre regionale Verankerung bringen sie
Mieterstromlösungen aktiv in den Markt und nutzen zugleich ihre Nähe zu
Immobilienkunden. „stroya hat seine Wurzeln in unserer Region und zeigt,
wie genossenschaftliche Zusammenarbeit funktionier", so Kurlemann. Das
Modell sei aus der Praxis heraus entstanden und decke einen konkreten
Bedarf der Kunden ab.
Wachstumsfeld Energiewende im Gebäudebestand
Mit
der bundesweiten Skalierung adressiert stroya ein zentrales
Zukunftsthema: die Energiewende im Gebäudesektor. Steigende
Energiepreise verstärken den Bedarf nach Lösungen, die Strom direkt vor
Ort erzeugen und nutzen. Bereits heute versorgt das Unternehmen mehrere
hundert Haushalte mit lokal erzeugtem Strom. Angesichts von rund 40
Millionen Menschen, die in Deutschland zur Miete wohnen, zeigt sich das
enorme Wachstumspotenzial.
Perspektive: Ausbau und Netzwerkbildung
Für die
weitere Entwicklung setzt stroya auf den Ausbau eines bundesweiten
Netzwerks. Ziel ist es, gemeinsam mit Genossenschaftsbanken, regionalen
Partnern und Investoren die Umsetzung von Mieterstromprojekten deutlich
zu beschleunigen. Gespräche mit weiteren Partnern laufen bereits. Damit
bleibt das Modell zwar eng mit seinen regionalen Wurzeln
verbunden, entwickelt sich aber gleichzeitig zu einer Plattform mit nationaler Reichweite.
Innovation aus der Region für den Gesamtmarkt
stroya
zeigt exemplarisch, wie aus einer regional entwickelten Lösung ein
skalierbares Geschäftsmodell entstehen kann. Die Kombination aus
genossenschaftlicher Zusammenarbeit, digitaler Plattform und konkretem
Kundennutzen bietet dabei eine überzeugende Antwort auf zentrale
Herausforderungen der Energiewende. Oder, wie es Roman Ginzburg
formuliert: Jetzt geht es darum, aus einem funktionierenden Modell eine
flächendeckende Lösung zu machen – für Eigentümer, Mieter und die
Energieversorgung von morgen.



