Gemeinsam stark – Genossenschaften trotzen herausfordernden Bedingungen
03.09.2026
Ralf Stolte (Vorsitzender des Rechnungsausschusses), Franz Meyer (Präsidiumsmitglied), Johannes Freundlieb (Verbandsdirektor), Axel Schwengels (Verbandsdirektor), Johann Kramer (Vorsitzender des Verbandsrates), Hermann Mammen (stellvertretender Vorsitzender des Verbandsrates) v.l.
Der Verbandstag 2026 des Genossenschaftsverbandes Weser-Ems e.V. (GVWE) stand ganz im Zeichen von Austausch und genossenschaftlicher Gestaltungskraft. Gemeinsam wurde Bilanz gezogen und nach vorn geblickt; zudem sind die Weichen für die weitere Verbandsarbeit gestellt.
Cloppenburg. Vertreterinnen und Vertreter der mehr als 300 Mitgliedsunternehmen des GVWE kamen gestern gemeinsam mit Gästen aus Politik und Wirtschaft in der Stadthalle Cloppenburg zusammen. Neben dem Rückblick auf das vergangene Geschäftsjahr standen der fachliche Austausch, aktuelle Herausforderungen und die gemeinsame Gestaltung der Verbandsarbeit im Mittelpunkt.
Für einen besonderen Empfang sorgte der humanoide Roboter der Schülergenossenschaft GuTech aus Lingen. Sein Einsatz verdeutlichte eindrucksvoll, welche innovativen Ideen aus dem Projekt „Nachhaltige Schülergenossenschaften in Niedersachsen“ her-vorgehen, das der GVWE gemeinsam mit dem Genoverband e. V. sowie dem Nieder-sächsischen Kultusministerium seit nun 20 Jahren begleitet.
Johann Kramer, Vorsitzender des Verbandsrates des GVWE und Vorstandsvorsitzender der Raiffeisen-Volksbank eG in Aurich, begrüßte die Anwesenden mit gewohnt herzlichen und direkten Worten: „Die persönliche Nähe ist bis heute eine unserer großen Stärken und wird auch künftig ein Merkmal sein, auf das wir mit Überzeugung und Stolz aufbauen können.“ Anschließend berichtete Verbandsdirektor Johannes Freundlieb über das Geschäftsjahr 2025 und demonstrierte abermals die genossenschaftliche Wirkungs-kraft.
Mit Vielfalt und Gemeinschaft zu Stabilität und Wachstum
Anhand der Geschäftszahlen zeigte Freundlieb: Trotz wachsender regulatorischer Anforderungen, steigender Kosten und konjunktureller Unsicherheiten haben die Mitglieder des GVWE ihre wirtschaftliche Stabilität ausgebaut und setzen weiterhin wichtige Impulse für Investitionen. Die Nähe der Genossenschaften zu den Menschen vor Ort und ihre tiefe Verwurzelung in der Region schaffen die Grundlage für stabile Ergebnisse, nach-haltiges Wachstum und zukunftsorientierte Entwicklungen. „Mit ihrer Vielfalt und ihrem gemeinsamen Handeln tragen unsere Mitgliedsunternehmen wesentlich zu Wachstum und Beschäftigung in unserem Verbandsgebiet bei“, so Freundlieb. „Gleichzeitig leisten sie einen wichtigen Beitrag zu unserem stabilen und gut aufgestellten Verband. Die positiven Geschäftsergebnisse und Neugründungen zeigen, dass die genossenschaftliche Rechtsform auch künftig attraktiv und zukunftsfähig bleibt.“
Genossenschaftsbanken: Marktposition weiter gestärkt
Die Leistungsfähigkeit des genossenschaftlichen Bankenmodells spiegelt sich in den aktuellen Geschäftszahlen wider: So vergaben im Jahr 2025 die Genossenschaftsbanken Kredite in Höhe von 33,64 Milliarden Euro an Firmenkunden und Privatkunden – eine Steigerung von fast 7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zusätzlich vermittelten die Banken ein ebenfalls gesteigertes Kreditvolumen in Höhe von 9,51 Milliarden Euro (+ 1,9 Prozent) an die Unternehmen der genossenschaftlichen Finanzgruppe. Das Einlagevolumen stieg sogar um fast 7,2 Prozent, und bei den vermittelten Kundeneinlagen liegt das Volumen mit 15,19 Milliarden Euro um 7,9 Prozent ebenfalls deutlich über dem Vorjahreswert. Mit einem Betriebsergebnis vor Bewertung von 1,20 Prozent der durch-schnittlichen Bilanzsumme erreichten die Institute erneut einen bundesweiten Spitzenwert. Auch die Entwicklung im ersten Halbjahr 2026 fiel positiv aus: Die eigenen Kundenkredite stiegen auf 34,3 Milliarden Euro (+ 2 Prozent), das gesamte betreute Kundenkreditvolumen (also inklusive über die Verbundpartner abgewickeltes Kreditgeschäft) auf rund 43,9 Milliarden Euro (+ 1,7 Prozent) und das betreute Kundenanlagevolumen (also einschließlich vermittelter Wertpapier- und Fondsanlagen) auf rund 44,9 Milliarden Euro (+ 1,3 Prozent).
Der Verbandsdirektor weist jedoch auch auf tiefgreifende Änderungen in einem sich immer intensiver entwickelnden Wettbewerbsumfeld hin: Gesetze, Verordnungen und Richtlinien erhöhen weiterhin insbesondere die Anforderungen an das Risikomanagement und die Eigenmittelausstattung der Institute – mit einschränkenden Wirkungen für deren Kreditvergabemöglichkeiten. Freundlieb sicherte den Mitgliedsunternehmen nachhaltige Unterstützung zu: „Wir als Ihr Verband begleiten die frühzeitige Auseinandersetzung mit neuen Vorgaben für möglichst praxisgerechte Umsetzungslösungen.“
Ländliche Genossenschaften: Resilienz bei Kostendruck
Die Ländlichen Genossenschaften und Gesellschaften haben auch im Jahr 2025 ihre Widerstandskraft und wirtschaftliche Bedeutung für die Region unter Beweis gestellt. Als wichtiger Bestandteil der landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten und verlässlicher Partner der Menschen vor Ort behaupteten sie sich in einem anspruchsvollen Marktumfeld, das von steigenden Kosten, strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft sowie volatilen Agrar- und Absatzmärkten geprägt war.
Mit einem addierten Jahresumsatz von rund 12 Milliarden Euro in den Bereichen Waren, Viehvermarktung, Obst und Gemüse sowie Molkerei tragen sie maßgeblich zur regionalen Wirtschaftskraft bei. Trotz der herausfordernden Rahmenbedingungen konnten in nahezu allen Bereichen mindestens stabile Umsätze erzielt, Ergebnisrückgänge begrenzt oder die Eigenkapitalbasis weiter gestärkt werden – bei in der Regel steigenden Beschäftigtenzahlen.
Energiegenossenschaften: Rückgrat der Wärmewende
Die 77 Energiegenossenschaften in Weser-Ems konnten ihre wirtschaftliche Stärke im Jahr 2025 ebenfalls weiter ausbauen. Gemeinsam mit den 9 dem Verband angehören-den Windparkgesellschaften erzeugten sie 190.109 GWh Strom und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur regionalen Energieversorgung. Gleichzeitig stehen sie für eine ho-he Bürgerbeteiligung an der Energiewende.
Freudlieb betonte: „Die Wärmewende in unserer Verbandsregion ist nicht nur ein technisches Transformationsprogramm, sondern ein regionales Gemeinschaftsprojekt. Mit starken Energiegenossenschaften, engagierten Kommunen und einer innovationsbereiten Wirtschaft ist unsere Region gut positioniert, um auch weiterhin eine führende Rolle im deutschen Umbau der Energieversorgung einzunehmen.“
Nach einstimmigem Beschluss zu den von Verbandsdirektor Axel Schwengels vorgestellten Satzungsänderungen endete der Verbandstag mit dem Bekenntnis von Verbandsdirektoren und Gremienvertretern, auch in Zukunft als selbstständiger Regional-verband den Mitgliedsunternehmen mit Rat und Tat zu begleiten. „Lassen Sie uns auch weiterhin auf die Stärke unserer Region Weser-Ems vertrauen, auf die Kraft unserer Genossenschaften und Gesellschaften und auf unseren Verband, der Ihnen als starker und verlässlicher Partner zur Seite steht“, so Kramer in seinem Schlusswort.



