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Raiffeisens Ideen sind aktueller denn je

30.01.2018

Mit einer Pressekonferenz wurde von unserem Verband jetzt in dem Akademiehotel Rastede das „Raiffeisen-Jahr 2018“ anlässlich des 200. Geburtstages von Friedrich Wilhelm Raiffeisen in Weser-Ems eingeleitet. Als Vertreter der Niedersächsischen Landesregierung würdigte Minister Björn Thümler, Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur, dieses geschichtsträchtige Ereignis.

 © Torsten Ritzmann

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Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung: Nach diesen Grundsätzen lebte und wirkte Friedrich Wilhelm Raiffeisen. Am 30. März jährt sich in diesem Jahr sein Geburtstag zum 200. Mal. Aus diesem Anlass will die Genossenschaftsorganisation, so Verbandsdirektor Johannes Freundlieb, unter dem Motto „Mensch Raiffeisen. Starke Idee!“ den großen Vordenker und Gestalter der Genossenschaftsidee ein ganzes Jahr lang in besonderer Weise herausstellen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Schirmherrschaft für das „Raiffeisen-Jahr 2018“ übernommen. „In einer Zeit tiefgreifender wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Umbrüche hat Friedrich Wilhelm Raiffeisen für seine Mitmenschen Verantwortung übernommen und gezeigt, was das Engagement des Einzelnen und die Solidarität vieler gerade in schwierigen Zeiten bewirken können. Das macht für mich seine Idee und sein Wirken so modern. Das Raiffeisen-Jahr 2018 gibt Gelegenheit, uns seine bleibenden Leistungen neu ins Gedächtnis zu rufen“, betonte Steinmeier anlässlich der Übernahme der Schirmherrschaft.

Minister Björn Thümler unterstrich in seinem Grußwort, dass die Genossenschafts-Idee im Laufe der Jahrzehnte nichts von ihrer Aktualität eingebüßt habe, im Gegenteil. Genossenschaftliche Grundwerte geben regionale Orientierung und Sicherheit in Zeiten der globalisierten Wirtschaft. Die Politik sollte und wird nach Auffassung von Thümler der Genossenschafts-Idee weiter verpflichtet bleiben und sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten fördern.

Erste Genossenschaftsgründungen bereits 1870 in Weser-Ems

Johannes Freundlieb erinnerte rückblickend in der Pressekonferenz daran, dass die ersten Genossenschaften in Weser-Ems bereits um 1870 im Osnabrücker Bereich gegründet worden sind. Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des Verbandes der oldenburgischen landwirtschaftlichen Consumvereine wurde dann am 19. Juli 1870 der „Verband oldenburgischer landwirtschaftlicher Genossenschaften“ und somit der heutige Genossenschaftsverband Weser-Ems gegründet. Mit Bescheid des Oldenburgischen Staatsministeriums vom 6. August 1890 wurde unserem Verband schließlich das Prüfungsrecht verliehen.

Als genossenschaftlicher Regionalverband tritt unser Verband nach wie vor für dezentrale und förderative Strukturen in der genossenschaftlichen Organisation ein. „Diese mitgliedernahe Ausrichtung hat sich in der 128-jährigen Geschichte unseres Verbandes erfolgreich bewährt. Wir haben uns zu einem modernen Dienstleistungsverband entwickelt, der von seinen Mitgliedern in einem hohen Maße anerkannt ist“, so Freundlieb. „Wir sind fest davon überzeugt, dass eine effektive und zugleich effiziente Verbandsarbeit erfordert, nah bei unseren Mitgliedern zu sein. Auf Grundlage seiner anerkannt hohen fachlichen Kompetenz, seiner gesunden wirtschaftlichen Basis und der in jeder Hinsicht vorteilhaften engen Verbindung zu seinen Mitgliedern ist unser Verband zukunftsfähig aufgestellt“. Freundlieb unterstrich in diesem Zusammenhang, dass unser Verband auch weiterhin als selbständiger Regionalverband dafür eintritt, die Leistungsfähigkeit der Mitgliedsunternehmen durch ein breites Dienstleistungsangebot zu stärken.

Genossenschaften als Problemlöser vor Ort

Durch die Novellierungen des Genossenschaftsgesetzes in den Jahren 2006 und 2017 wurde die Möglichkeit für die Gründung von Genossenschaften in vielen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen eröffnet. So entstanden in Weser-Ems viele Energiegenossenschaften als eine tragende Säule der Energiewende. Unser Verband begleitet aber auch zunehmend genossenschaftliche Wohnprojekte und Projekte im kulturellen Bereich. Als Beispiel führte Freundlieb die im November vergangenen Jahres gegründete Lingner Wohnbau eG an. Ziel dieser Genossenschaft ist, bezahlbaren Wohnraum in Lingen zu erhalten und zu schaffen. Auch ging der Verbandsvorstand auf die Kulturgenossenschaft Globe eG in Oldenburg ein, die ein kulturhistorisches Kino erhalten und zu einem kulturellen Treffpunkt ausrichten möchte.

„Die Genossenschaften werden auch in Zukunft ausgehend von den Ideen Raiffeisens ein wirksames Instrument sein, konkrete Lösungen für konkrete Probleme vor Ort umzusetzen. Dies macht unsere Genossenschaften zu einer Rechtsform, über die gesellschaftliche Projekte mitgetragen und mitgestaltet werden können“, resümierte der Verbandsvorstand. „Bis heute machen die Genossenschaften deutlich, dass es nicht darum geht, zwischen Gewinnmaximierung und einem gesamtverantwortlichen sozialen Bewusstsein einen wackeligen Spagat auszuführen. Beide Prinzipien greifen langfristig ineinander“, resümierte Freundlieb. Zudem beinhalte die Genossenschaftsidee auch den Gedanken der lokalen und regionalen Verankerung. „Nicht zuletzt deshalb können Ge-nossenschaften ein wirksames Instrument sein, um konkrete Lösungen für konkrete Probleme umzusetzen“. Dies macht die Genossenschaft zu einer Rechtsform, über die gesellschaftliche Projekte mitgetragen und mitgestaltet werden können. Dabei sei das Spektrum inzwischen sehr breit: „Wohnungsbau, Landwirtschaft, Handel, Energie, Dienstleistungen und vor allem die Finanzwirtschaft machen heute das Genossen-schaftswesen aus. Die Volksbanken und Raiffeisenbanken sind dabei nach Aussagen von Freundlieb ein besonders beeindruckendes Beispiel für die Tragfähigkeit der genossenschaftlichen Idee.“

Steigende Mitgliederzahlen bei Genossenschaften

Die Genossenschaften in Weser-Ems und auch in ganz Deutschland verzeichnen weiterhin einen regen Zulauf, so dass die Mitgliederzahl insgesamt auf 22,6 Millionen angestiegen ist. „Unsere vielfältig aufgestellte Genossenschaftsorganisation hat damit die Position als mitgliederstärkste Wirtschaftsorganisation weiter gefestigt“, gab Verbandsdirektor Axel Schwengels im Zusammenhang mit den genossenschaftlichen Strukturen in Deutschland bekannt. Zum Jahresende 2016 waren rund 8.000 Genossenschaften bundesweit tätig, die von sechs Bundesverbänden, vier Regionalverbänden und sechs Fachprüfungsverbänden geprüft bzw. betreut und beraten werden. 187 neue Genossenschaften wurden in 2016 bundesweit gegründet, vorwiegend in den Bereichen Dienstleistungen (60), Wohnungsbau (28) und Energie (26).

Mit durchschnittlich 976.000 (Vorjahr: 968.000) Voll- und Teilzeitbeschäftigten ist die Genossenschaftsorganisation nach Aussagen von Schwengels auch weiterhin einer der bedeutendsten Arbeitgeber in Deutschland. Schwengels stellt zudem die internationalen genossenschaftlichen Netzwerke vor, die sowohl europäisch als auch mit der Internationalen Raiffeisen Union (IRU) mit Sitz in der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn weltweit tätig sind.

Ein weiteres Thema der Pressekonferenz war die genossenschaftliche Entwicklungsarbeit, die von Bonn aus organisatorisch auf allen Kontinenten von rund 100 Mitarbeitern in 15 Ländern geleistet wird. Hierzu zählen Länder wie Costa Rica, Mexiko, Nicaragua, Nairobi und Kenia. In dieses Netzwerk ist der GVWE ebenfalls aktiv eingebunden und hat sich mit Beratungsleistungen zum Aufbau von Genossenschaften in Kirgisistan, Indonesien, Indien und Myanmar eingebracht.

„Raiffeisen hat stets das Ziel verfolgt, das Leben der Menschen zu verbessern. Dass dies auch heute noch der Fall ist und inzwischen auch von weltweiter Bedeutung ist, hat auch dazu geführt, dass die Genossenschaftsidee im November 2016 in die repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit und die UNESCO aufgenommen worden ist“, stellte Schwengels besonders heraus, da auf diese Weise die Väter Friedrich-Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schultze-Delitzsch und deren Lebenswerk in der heutigen Zeit gewürdigt werden.

Viele Aktivitäten im „Raiffeisen-Jahr“

Der 200. Geburtstag am 30. März dieses Jahres von Friedrich Wilhelm Raiffeisen wird mit einem zentralen Festakt am 11. März 2018 in Mainz gewürdigt und ist laut Aussage von Abteilungsleiter Harald Lesch auch Anlass für unseren Verband das „Raiffeisen-Jahr“ mit Veranstaltungen und attraktiven Maßnahmen gebührend zu begleiten. So wird im Februar der Bandwettbewerb „Dein Lied auf Raiffeisen“ starten. Mit dem für Mitte Februar vorgesehenen Start des Wettbewerbes sollen junge Musikgruppen angesprochen werden, sich musikalisch mit der Person und dem Wirken von Raiffeisen auseinanderzusetzen und hierzu ein selbst komponiertes Lied beim Verband einzureichen.

Im Mai findet mit dem leidenschaftlichen Wanderer und mehrfach ausgezeichneten Buchautor Manuel Andrack eine Wanderung im Ammerland mit einem genossenschaftlichen Treffpunkt statt, der Produktionsstätte des DMK Deutsches Milchkontor in Edewecht. Der 10. Genossenschaftstag Weser-Ems am 31. Mai 2018 wird inhaltlich auf den sozialen Wohnungsbau mit genossenschaftlichen Lösungsansätzen ausgerichtet. Auf dem Verbandstag des GVWE am 5. September 2018 wird ebenfalls das „Raiffeisen-Jahr“ im Mittelpunkt stehen.