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Volks- und Raiffeisenbanken bleiben Stabilitätsanker für Weser-Ems

10.03.2022

Bilanzsumme 2021 steigt um 7 % / Kräftiges Kreditwachstum mit 8,7 % / Immobilien und Bau bleiben Stütze: Eigenheim und „Betongold“ gefragt / Wertpapiere gefragt: Plus 18,4 % - Sparer setzen auf Aktien und Fonds / Gute Ertragslage: Betriebsergebnis steigt um 0,15 %-Punkte auf 0,94 % / Acht Genossenschaftsbanken bündeln ihre Kräfte / Förderung: 2,5 Mio. Euro für Projekte in Weser-Ems

 © MARKUS HIBBELER

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Das Bild zeigt die Verbandsdirektoren Johannes Freundlieb (links) und Axel Schwengels. Quelle: Markus Hibbeler.

Rastede. Die 52 Volksbanken und Raiffeisenbanken in Weser-Ems waren 2021 ein starker Stabilitätsanker der Geld- und Kreditversorgung für ihre mehr als 1,2 Millionen Kunden in der Region. „Wir konnten unsere Markstellung festigen und teilweise ausbauen. Das ist gut für die Menschen und die mittelständische Wirtschaft, die sich auf eine verlässliche Geld- und Kreditversorgung unseres genossenschaftlichen Verbunds vor Ort verlassen können“, sagten die Verbandsdirektoren Johannes Freundlieb und Axel Schwengels heute auf der Pressekonferenz des Genossenschaftsverbands Weser-Ems im Akademiehotel im ammerländischen Rastede. Das Wachstum sei auf Grundlage eines soliden Fundaments erfolgt. So habe sich die Ertragslage flächendeckend positiv entwickelt. Für das laufende Jahr erwarten Freundlieb und Schwengels eine solide Entwicklung. Angesichts der aktuellen Lage mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine seien konkrete Prognosen allerdings von großer Unsicherheit geprägt. „Die wirtschaftlichen Auswirkungen werden aber sicher auch im Weser-Ems-Gebiet zu spüren sein“, sagte Freundlieb.

 

Werthaltig: Kreditgeschäft treibt Bilanzwachstum

Die zusammengefasste Bilanzsumme der Genossenschaftsbanken in Weser-Ems sei 2021 kräftig um rund 7 Prozent auf 35,93 Milliarden Euro gestiegen. Das seien durchschnittlich rund 690 Millionen Euro pro Institut (Vorjahr: 599 Millionen Euro). Treibende Kraft sei das Kreditgeschäft gewesen, das um 2,12 Milliarden Euro (plus 8,7 Prozent) auf 26,37 Milliarden Euro im direkten Kundengeschäft zugelegt habe. Zusätzlich seien rund 8,02 Milliarden Euro Kredite (plus 9,3 Prozent) über genossenschaftliche Verbundpartner an Kunden in Weser-Ems vergeben worden. „Durch unsere hohe Kreditvergabe haben wir insbesondere die intensive private und gewerbliche Bautätigkeit nachhaltig gestützt und gleichzeitig die mittelständischen Handwerksbetriebe und die Bauwirtschaft gestärkt“, betonte Freundlieb.

Die Branchen Bau-, Land- und Forst- sowie die Wohnungswirtschaft zählten zu den mittelständischen Stützen, die 2021 mehr als 1,5 Milliarden Euro frische Kredite von den Volks- und Raiffeisenbanken in Weser-Ems erhalten hätten. Der Bau der eigenen vier Wände bleibe ein wichtiger Baustein der Altersvorsorge. Zudem sei „Betongold“ als Anlagealternative gefragt gewesen. „Wir glauben nicht, dass die Gefahr einer Immobilienblase in der Region besteht“, sagte Verbandsdirektor Freundlieb und betonte, dass die Nachfrage nach Wohnraum in Weser-Ems hoch sei. Darüber hinaus sprach er von einer Investitionstätigkeit der Unternehmen auf „hohem Niveau“.

Potenzial: Einlagen legen um 6 % zu – Wertpapiere im Fokus

Die Einlagen verbuchten ein beachtliches Plus von 1,34 Milliarden Euro auf 23,64 Milliarden Euro (plus 6 %). „Das zeigt sich vor allem auf den Girokonten und bei den Wertpapieranlagen“, sagte der Verbandsdirektor. Insbesondere Wertpapieranlagen hätten ein überdurchschnittliches Wachstum von 1,75 Milliarden Euro auf 11,25 Milliarden Euro (plus 18,4 %) erfahren. „Aktien, Anleihen und vor allem Investmentfonds haben sich als ergänzende Anlageform etabliert“, sagte Freundlieb und betonte, dass die Beratungsleistung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine hohe Bedeutung für die genossenschaftlichen Banken habe. Klassische Anlageformen dagegen seien in Zeiten der Nullzinspolitik der Zentralbanken als Neuanlage weniger gefragt gewesen.

Zinsmarge sinkt – Betriebsergebnis steigt

Trotz einer erneut rückläufigen Zinsmarge von 1,74 % auf 1,68 % der durchschnittlichen Bilanzsumme (dBS) sowie einer ebenfalls leicht gesunkenen Provisionsspanne hätten die Volks- und Raiffeisenbanken in Weser-Ems unterm Strich mehr verdient. Aufgrund effizienter Abläufe und sinkender Verwaltungsaufwendungen sei das Betriebsergebnis nach Bewertung um 0,15 % auf gute 0,94 % der dBS (von 0,88 % auf 0,92 % vor Bewertung) gestiegen. Freundlieb betonte in diesem Zusammenhang das hohe Engagement der rund 6.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Volks- und Raiffeisenbanken, die angesichts der Corona-Auflagen unter erschwerten Bedingungen einen „sehr, sehr guten Job“ gemacht hätten. „Zu dem guten Betriebsergebnis hat zudem eine verantwortungsvolle und nachhaltige Kreditvergabe beigetragen“, betonte Freundlieb. So habe es wenig notleidende Kredite gegeben, die die Volks- und Raiffeisenbanken hätten abschreiben müssen. Neben einer guten Kreditberatung mit einer hohen Kundennähe spiegele dieses Ergebnis darüber hinaus die Stärke der Weser-Ems-Region wider, die wirtschaftlich „sehr solide“ durch die Corona-Pandemie gekommen sei.

Acht Volksbanken und Raiffeisenbank bündeln ihre Kräfte

Die Genossenschaftsbanken seien wie die gesamte deutsche Kreditwirtschaft aber durch einen anhaltenden Wandel geprägt. Digitalisierung, steigende regulatorische Auflagen, eine rapide Zunahme des Online-Bankings gehe auch an Weser-Ems nicht spurlos vorbei. Durch vier Fusionen hätten insgesamt acht Volks- und Raiffeisenbanken in Weser-Ems ihre Kräfte im vergangenen Jahr gebündelt. Die Zahl der Filialen und Geschäftsstellen des Genossenschaftsverbunds habe sich um 20 auf 451 verringert. Gleichzeitig seien die digitalen Angebote ebenso wie die Flexibilität der Beratung ausgeweitet worden. „Unsere Volks- und Raiffeisenbanken bleiben in der Fläche präsent und nah bei den Menschen und Betrieben. Bei unseren stationären und digitalen Angeboten stehen persönliche Nähe und individuelle Lösungen im Mittelpunkt“, betonte Freundlieb.

2,5 Millionen Euro: Förderung auf hohem Niveau

Dass dieser Weg und die genossenschaftliche Werte der Solidarität und Menschlichkeit ankommen würden, zeige nicht zuletzt die um rund 2.500 auf 546.200 gestiegene Zahl von Kunden, die gleichzeitig Mitglied bei den Genossenschaftsbanken in Weser-Ems seien, sagte der Verbandsdirektor. „Dies ist eng verbunden mit unserem sozialen und gesellschaftlichen Engagement, das wir auch 2021 auf hohem Niveau fortgeführt haben.“ Mit rund 2,5 Millionen Euro seien soziale, kulturelle und weitere gesellschaftlich wichtige Projekte und Einrichtungen auf dem Vorjahresniveau gefördert worden. „Hilfe zur Selbsthilfe und das damit verbundene finanzielle Engagement ist Teil unserer genossenschaftlichen DNA“, betonte Freundlieb. Dies gelte mehr denn je in kritischen Zeiten, in denen gerade die Schwächeren der Gesellschaft gestärkt werden müssten. Die Gelder flossen aus den Reinerträgen des VR-Gewinnsparen und aus Zuwendungen der VR-Stiftung der Volksbanken und Raiffeisenbanken in Norddeutschland.