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Wachstum in der Tierhaltung trotz Stillstand bei Neubauten?

veröffentlicht im Genossenschafts-Magazin Weser-Ems, Ausgabe 03/2016

Ein Beitrag von Sebastian Bönsch, Landwirtschaftskammer Niedersachsen

Aufgrund der schwierigen Zeiten in der Landwirtschaft, vor allem im Bereich der Tierhaltung, stehen viele landwirtschaftliche Betriebe in den kommenden Jahren vor großen Herausforderungen. Durch geänderte Genehmigungsvoraussetzungen wie z.B. §35 BauGB in Verbindung mit dem §201 BauGB , ist das vorher „normale“ Bauen im Außenbereich ohne überwiegend eigene Futtergrundlagen heutzutage nicht mehr zu realisieren. Auch die betrieblichen Einflussfaktoren sowie die Standortfaktoren wie unter anderem der Immissionsschutz oder auch die Akzeptanz der Bevölkerung führen dazu, das auf den meisten Betrieben eine Entwicklung der Höfe durch eine Vergrößerung der Tierhaltung nicht mehr stattfinden wird.

Trotz allem wäre es jetzt der falsche Weg für unsere Betriebe, den Kopf in den Sand zu stecken und abzuwarten bis sich Regelungen oder Gesetze verändern. Die Betriebsleiter müssen andere Wege und Möglichkeiten für eine Weiterentwicklung ihrer Höfe finden.

Eine Möglichkeit können Vermarktungskonzepte darstellen. Durch die Initiative Tierwohl oder auch andere Förderprogramme können die Tierhalter durch mehr Tierwohl und in Zusammenarbeit mit den Schlachtunternehmen sowie dem Lebensmitteleinzelhandel höhere Erlöse erwirtschaften. Doch hier hat sich in den letzten Jahren auch gezeigt, dass der Absatzmarkt von Labelprodukten oder besonderen Förderprogrammen sehr begrenzt ist. Am Ende entscheiden sich die Verbraucher doch häufig gegen ein etwas teureres Lebensmittel, wenn auch weitaus günstigere Produkte direkt daneben angeboten werden.

Neben den Förderprogrammen kann es häufig sinnvoll sein, durch Umstrukturierungen des Betriebes bzw. durch ein innerbetriebliches Wachstum den vorhandenen Betriebszweig zu optimieren. In Einzelfällen kann auch die Aufgabe eines Betriebszweiges zu einer Verbesserung des Betriebes führen. Aber häufig kann durch ein gutes Management und strategischem arbeiten am Schreibtisch vielfach mehr „verdient“ werden als gedacht.

Dieses Phänomen zeigen auch wieder die aktuellen Betriebszweigauswertungen. Ein Schweinemastbetrieb mit 1.500 Mastplätzen, der zu den 25 Prozent besseren Betrieben zählt, kann das Futter pro dt um 1,20 Euro günstiger einkaufen. Das bedeutet, dass alleine hier ein Unterschied von ca. 10.000 Euro zwischen den erfolgreichen und den weniger erfolgreichen Betrieben liegt. Ähnlich sieht es auch bei den zugekauften Ferkeln aus. Trotz der gleichen Leistungen konnten die guten Betriebe die Tiere ca. 1,70  Euro günstiger einkaufen und sich dadurch schon einen Vorteil von ca. .7000 Euro verschaffen.

Das gleiche Bild zeichnet sich bei den Betrieben ab, die ihre  Tiere perfekt kennen und durch biologische Leistungen punkten können. Bei gleichen Voraussetzungen aber einer besseren Futterverwertung von 0,2 Punkten können ganz schnell bis zu 4 Euro pro verkauftem Tier gewonnen werden. Das bedeutet bei unserem Beispielbetrieb ganz schnell pro Jahr weit über 15.000 Euro.

Durch den Druck der Schlachthöfe und der sich ständig ändernden Schlachtmasken, nach denen die abgelieferten Schweine eingestuft werden, haben auch die aktuellen Auswertungen wieder gezeigt, dass die Betriebe, die Ihre Schweine perfekt sortieren und das Gewicht der Tiere genau wissen, ohne großen Aufwand bis zu 5 Euro am Tier mehr in der Tasche haben. Das bedeutet für viele Betriebe, dass die Vermarktung das Wichtigste ist und dadurch pro Jahr schnell über 20.000 Euro bei einem Betrieb mit 1.500 Mastplätzen mehr oder weniger erwirtschaftet werden kann.

Neben der direkten tierischen Leistung kann natürlich auch immer versucht werden, die Kosten für Strom, Heizung, Wasser, Gülleverwertung ect. gering zu halten. Vor allem im Bereich Stromverbrauch ist es aber wichtig, dass jeder Betriebsleiter seine Verbräuche direkt einem bestimmten Bereich zuordnen kann. Ansonsten ist es schwierig, die richtigen Einsparstrategien aufstellen zu können.

Die hier aufgezeigten Möglichkeiten sind garantiert nicht auf allen Betrieben oder für alle Betriebsleiter zu realisieren, aber auch wenn nur eine Maßnahme angefasst und konsequent durchgezogen wird, kann das vorhandene Potenzial besser ausgeschöpft werden.