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Breites Themenspektrum auf der Informationstagung für Ländliche Genossenschaften und Gesellschaften

veröffentlicht im Genossenschafts-Magazin Weser-Ems, Ausgabe 04/2017

Annähernd 60 Geschäftsführer trafen sich im Februar im Akademiehotel Rastede anlässlich der diesjährigen Informationstagung für Geschäftsführer von Ländlichen Genossenschaften und Gesellschaften.

Während zu Beginn der zweitägigen Veranstaltung über die aktuelle Geschäftsentwicklung unseres Verbandes und derzeitige Aktivitäten in der Interessenvertretung für Ländliche Genossenschaften und Gesellschaften berichtet wurde, lagen die diesjährigen Schwerpunktthemen in der Gestaltung betrieblicher Altersvorsorge, der Änderungen im Handels- und Steuerrecht sowie anderen Rechtsgebieten. Externe Referenten sprachen zu den Themen der Öffentlichkeitsarbeit bzw. der Wahrnehmung der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit. Abgerundet wurde das Vortragsprogramm durch Beiträge über Themen aus den Bereichen Digitalisierung und Führungskräfteentwicklung.

Verbandsdirektor Johannes Freundlieb berichtete nach seiner Eröffnung der Veranstaltung über die positive wirtschaftliche Lage und Entwicklung unseres Verbandes und ging auf die Ziele unseres Verbandes mit Blick auf die einzelnen Fachabteilungen ein. Die hohe Transparenz seiner Ausführungen spiegelte die enge Verbundenheit mit den Mitgliedsunternehmen wider.

Über den Gesetzesentwurf der Bundesregierung für eine Novellierung des Genossenschaftsgesetzes (GenG) vom 8. Februar berichtete Verbandsdirektor Axel Schwengels, der erstmals an dieser Veranstaltung in seiner Funktion als Verbandsdirektor teilnahm. Geplant ist, der Digitalisierung mehr Platz einzuräumen, um Informationswege und Prozesse zu verschlanken. Prüfungsrelevante Veränderungen sind eine geplante Anhebung der Prüfungsgrenzen für die Jahresabschlussprüfung sowie die Einführung einer vereinfachten Prüfung für Kleinstgenossenschaften. Hier versucht unser Verband Einfluss zu nehmen, da die derzeitige umfassende Prüfung von Genossenschaften bekanntlich auch dafür sorgt, Schwachpunkte in der Geschäftsführung früh zu erkennen und das Insolvenzrisiko gering zu halten.

Das Thema Betriebliche Altersvorsorge wurde von Thomas Schreich, Senior Consultant der compertis Beratungsgesellschaft für betriebliches Vorsorgemanagement mbH, Steuerberater Volker Webering und Simon Moorkamp, Leiter der Abteilung Steuerberatung unseres Verbandes, ausführlich präsentiert. Zunächst stellte Thomas Schreich die grundsätzliche Bedeutung der betrieblichen Altersvorsorge als wichtige Säule der gesamten Altersvorsorge dar. Er stellte die einzelnen Durchführungswege vor und erläuterte deren steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Besonderheiten.

Nach den allgemeinen Erläuterungen stellte der ehemalige Abteilungsleiter unserer Abteilung Steuerberatung Volker Webering das Versorgungswerk Weser-Ems vor. Er ging dabei auch auf die Historie des Versorgungswerks und seine aktuelle Entwicklung ein. Webering stellte nochmals heraus, dass das Versorgungswerk Weser-Ems mit seinen verschiedenen Möglichkeiten nach wie vor ein attraktives Angebot darstellt und dementsprechend auch gut angenommen wird.

Steuerberater Simon Moorkamp im Anschluss den Entwurf des Betriebsrentenstärkungsgesetztes vor. Nach Auffassung des Gesetzgebers sind Betriebsrenten noch nicht ausreichend verbreitet, um insbesondere bei Arbeitnehmern mit geringem Einkommen einer drohenden Altersarmut vorzubeugen. Mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz soll diesem Missstand vorgebeugt werden. Der Gesetzesentwurf sieht dazu die Möglichkeit der Vereinbarung reiner Beitragszusagen, ein Fördermodell für Geringverdiener sowie eine Verbesserung der steuerlichen und sozialversicherungsrechtlichen Rahmenbedingungen vor. Der Gesetzesentwurf befindet sich derzeit in der Ressortabstimmung. Die Änderungen sollen grundsätzlich zum 01.01.2018 in Kraft treten.

Den Abschluss seines Vortrags bildete die Vorstellung eines aktuellen BFH-Urteils. Der BFH verneinte darin die Möglichkeit der Nutzung der steuerlichen Tarifermäßigung nach der sog. Fünftelregelung für Kapitalabfindungen aus einer Pensionskasse.

Den Abschluss zum Themenkomplex Betriebliche Altersvorsorge bildete der erste Teil des Vortrages von Rechtsanwalt Jens Stutz. Er wies darauf hin, dass die Geschäftsführer nicht dazu verpflichtet sind, eine Betriebliche Altersvorsorge anzubieten. Gleichwohl, wenn sie es machen möchten, dürfen sie keine einzelnen Personen ausgrenzen. Er bat um Obacht bei der Übernahme eines betrieblichen Vorsorgevertrages bei der Einstellung eines neuen Mitarbeiters oder einer neuen Mitarbeiterin: Hier müsse genau hingeschaut werden.

Im zweiten Teil seines Vortrages ging Jens Stutz auf arbeitsrechtliche Fragen im Zusammenhang mit Arbeitszeitmodellen ein, wozu auch die Teilzeitarbeit gehört. Des Weiteren sprach er über die Befristung von Arbeitsverträgen. In allen Teilbereichen werden leicht Fehler gemacht, die für das Unternehmen anschließend erhebliche Auswirkungen haben können. Die Fehlerquellen verdeutlichte er anhand vieler praktischer Beispiele.

Abteilungsleiter Simon Moorkamp berichtete danach über aktuelle Neuerungen aus dem Steuerrecht. Hierbei ging er auf das Gesetz zur Modernisierung des Besteuerverfahrens, auf das Gesetz zum Schutz vor Manipulationen an digitalen Grundaufzeichnungen sowie auf verschiedene Themen aus dem Bilanzsteuerrecht, dem Lohnsteuer- und dem Umsatzsteuerrecht ein. Den Abschluss bildete auf vorherigen Wunsch der Teilnehmer ein Exkurs zum Thema Steuerfreie Genossenschaften.

Aktuelle Themen aus der Prüfung und der Rechnungslegung sowie die Kennzahlenentwicklung der Genossenschaften in Weser-Ems standen am Ende des ersten Veranstaltungstages auf dem Programm. Referent zu beiden Themen war Stefan Reinke, Prüfungsdienstleiter Ländlicher Genossenschaften und Gesellschaften. Seine Ausführungen umfassten Änderungen in der Gewinn- und Verlustrechnung und im Anhang. Des Weiteren ging er auf die zunehmende Bedeutung der IT als Bestandteil der Betriebsorganisation und der Jahresabschlussprüfung ein.

Die Übersichten zur Kennzahlenentwicklung gab den Teilnehmern die Möglichkeit, sich einen detaillierten Überblick über die Entwicklung der Genossenschaften in den einzelnen Bereichen der Waren- und Viehwirtschaft zu verschaffen.

Die letzten Minuten des ersten Tagungstages – bevor das Abendprogramm mit einer Weinprobe, einem gemeinsamen Abendessen und einem sich anschließenden geselligen Beisammensein begann – nutzte Christoph Krieger, Vorstandsstab unseres Verbandes seit Anfang des Jahres, die Gelegenheit, sich vorzustellen.  

„Viele von Ihnen werden sich fragen `Was geht uns die Digitalisierung an? Sind wir betroffen?` Ich sag mal pauschal, ja – und zunehmend mehr!“ Mit diesen Worten eröffnete Jens Morzuch, Geschäftsführer der genoBIT, seinen Vortrag „Digitalisierung – Chancen und Risiken“.

Der Schwerpunkt seiner Ausführungen lag in dem Thema Sicherheit, die zu befolgen für die Geschäftsführung einer jeglichen Unternehmung von großer Bedeutung ist: Zum einen bezüglich der ständigen Verfügbarkeit der Daten (dazu gehört auch, dass gespeicherte Daten verlässlich auf einem separaten Server gespeichert und auch schnellstmöglich wieder abgerufen werden können), zum anderen, dass sie nicht von unbeteiligten Dritten eingesehen werden können. Dass ein Zugriff auf fremde Daten erheblich leichter ist als gedacht, zeigte er anhand eines Beispiels – auf ganz legale Art und Weise, ohne den Einsatz von Hackerkenntnissen - auf.

Doch wie kann eine Risikominimierung erfolgen? Hierzu gliederte er das IT-Umfeld und die IT-Organisation in die folgenden Bereiche auf, die von der Geschäftsführung insgesamt betrachtet werden müssen:

  • Dokumentation und Nachvollziehbarkeit
  • Datensicherheit, Virenschutz, Firewallsysteme
  • Infrastruktur, Gebäude, Räume, physikalische Sicherheit
  • Awareness, Sensibilität, Schulungen
  • Netzwerk und Technik
  • Datensicherung und Archivierung

„Je mehr digitale Instrumente genutzt werden, je höher ist der notwendige Aufwand für Sicherheitsmaßnahmen“, so Morzuch: „Wir unterstützen Sie gerne mit unserem Team von der genoBIT!“

Ein weiteres wichtiges Unterstützungsangebot erhielten die Geschäftsführer von den Dozentinnen Anke Schur und Jeanette Wittmann. Die beiden Dozentinnen der Genossenschaftsakademie Weser-Ems widmeten sich in ihren Beiträgen der Personal- und Führungskräfteentwicklung. Bei der Betrachtung der Altersstrukturen der Geschäftsführer und unter dem Aspekt des Fachkräftemangels gelte es, sich frühzeitig damit auseinanderzusetzen, Mitarbeiter der zweiten Ebene zu fördern und ihre Kompetenzen auszubauen. Welche Kompetenzen neben den fachlichen Fähigkeiten heute von engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von der Führungsebene erwartet werden, waren ebenso Thema wie die Bedeutung des Images eines Unternehmens für den Bereich Mitarbeiterakquise.

Abgerundet wurden diese beiden Vorträge durch drei positive Erfahrungsberichte von Genossenschaften aus dem Publikum, die im Bereich Mitarbeiterführung von der Genossenschaftsakademie Weser-Ems unterstützt worden sind bzw. noch werden.

Der Vortrag „Landwirtschaft jenseits von Streichelzoo und Skandalbildern: Was kann die Gesellschaft erwarten und die Landwirtschaft leisten?“ von Ricarda Rabe, Pastorin im Haus kirchlicher Dienste der Evangelischen-Lutherischen Landeskirche Hannover, beinhaltete viele Aspekte und verschiedene Sichtweisen bzw. Wahrnehmungen auf die Themen Landwirtschaft und Ernährung. So sei das Projekt „Neue Bauernregeln“ von Umweltministerin Barbara Hendricks bei der landwirtschaftlichen Bevölkerung sowie all diejenigen, die sich mit der Landwirtschaft beschäftigen, auf herbe Kritik gestoßen – die Bevölkerung an sich habe aber laut ihrer Wahrnehmung kaum oder nur sehr gering darauf reagiert. Da sei auch ein bisschen Bullerbü in der Moderne angekommen: die Verbraucher wollen weder Ställe mit vielen Tieren, sie bezweifeln, dass die Tiere entsprechend ihrer Bedürfnisse gehalten werden. Landwirte wiederum setzen sich für Tierwohl ein, berücksichtigen alle Auflagen und Erkenntnisse, die aus vielen Jahrzehnten Erfahrungen und neuesten Studien über Tierhaltung entsprechen. Sie erwarten – zu Recht - Anerkennung, Wertschätzung und damit verbunden auch einen entsprechenden Lohn sowie Vertrauen in ihre täglich erbrachte Leistung.

Die Spanne geht dramatisch auseinander, zumal viele Verbraucher als auch Meinungsbildner kaum Kenntnisse darüber haben, wie Tiere konkret gehalten werden.

Hinzu käme ein deutlicher Wandel in der Gesellschaft. Über ihre Essgewohnheiten finden Menschen zusammen. Teilweise definieren sie über das Essen ihre Lebenseinstellung. Veganer, Vegetarier, Fleischesser…Auf der anderen Seite gibt es dann aber auch wieder Menschen, denen es egal ist, was sie essen – Hauptsache satt. Und Menschen, die der Meinung sind, dass ihr Essen gesund machen muss: Essen als legales Doping. Essen hat eine andere Bedeutung als früher – und steht auch deshalb erheblich stärker im Fokus der Öffentlichkeit, denn neben Diäten ist jetzt auch das Essen an sich mitunter trendy: Sag mir, was Du isst….

Dazwischen steht der Landwirt. Wie schafft er es, wie schafft es die Gesellschaft, der etwas an der Landwirtschaft liegt, das Image wieder zu verbessern und – auch daraus resultierend – wieder gewinnbringend arbeiten zu können? Man muss miteinander reden, so die Pastorin. Dass dies mühsam ist, wenn der Gesprächspartner kein tatsächliches Interesse an Tatsachen zeigt und starke Ideologien vorherrschen, stünde außer Frage – nur, „einen anderen Weg gibt es nicht“, so die Pastorin abschließend.

Ein umfassendes Thema, dem verständlicherweise eine lange Diskussion folgte. Und das Thema der öffentlichen Wahrnehmung der Landwirtschaft brach nicht ab, denn der nächstfolgende Referent stellte eine Initiative vor, die in die gleiche Richtung geht: die Verstärkung (bzw. Schaffung!) einer positiven Wahrnehmung gegenüber Fleisch produzierender Unternehmen. Wobei – und auch hierüber wurde trefflich diskutiert – die Sprachwahl schon die erste Hürde ist. Bei dem sensiblen Umgang mit der Öffentlichkeit werfen die Sauen Ferkel – von Produktion zu sprechen, ist zwar betriebswirtschaftlich richtig, moralisch gesehen aber schon falsch.

Nicht nur die richtige Wortwahl, sondern die Zielsetzung und Kampagnengestaltung einer öffentlichkeitsorientierten Interessenvertretung war Kern des Vortrags von Christoph Hüsing, Geschäftsführer des neu gegründeten Vereins Land.Schafft.Werte.

Dieser Verein nimmt Platz in einer Lücke vieler anderer bestehender Interessenvertretungen für die Landwirtschaft – im Internet. Fokussiert auf die sozialen Medien spricht der Verein, zu dessen Gründungsmitgliedern verschiedene Unternehmen der Wertschöpfungskette des „roten Fleisches“ (also Schwein und Rind) direkt die Verbraucher an und will konzentriert dafür arbeiten, das Image von Fleisch wieder zu verbessern.