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Basistagung und Ehrenamtsschulungen für Ländliche Genossenschaften mit interessanten Fachthemen

veröffentlicht im Genossenschafts-Magazin Weser-Ems, Ausgabe 03/2019

Erneut fanden die Basistagungen und Informationstagungen für ehrenamtliche Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder der Ländlichen Genossenschaften Mitte Februar in Rastede und Lingen statt.

 © GVWE
Verbandsdirektor Johannes Freundlieb (r.) informierte die Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder über die wirtschaftliche Entwicklung unseres Verbandes.

Zu den Basistagungen waren die gewählten Organmitglieder am 12. Februar in die Genossenschaftsakademie Weser-Ems eingeladen. Nach der Begrüßung gab Verbandsdirektor Johannes Freundlieb einen Überblick über die Bedeutung und Struktur der Genossenschaftsorganisation und eine Einführung in das Genossenschaftsrecht.

Wirtschaftsprüfer Udo Brake informierte die Zuhörer über Aufgaben und Pflichten der ehrenamtlichen Vorstände und Aufsichtsräte. Dabei zeigte er die Abgrenzung und die Arbeitsteilung zwischen den Vertretern aus Vorstand und Aufsichtsrat auf. In einem weiteren Vortrag befasste er sich mit der Unternehmenssteuerung aus Sicht genossenschaftlicher Gremien im Ehrenamt. Dabei stellte er die verschiedenen Möglichkeiten der Einflussnahme auf die Unternehmenssteuerung dar.

Den Abschluss der Tagung machte Prüfungsdienstleiter Stefan Reinke mit dem Thema „Jahresabschluss und Prüfungsbericht als Informationsquellen für das Ehrenamt“. Anhand eines realen Prüfungsberichtes vermittelte er praxisnah, wie relevante Informationen aus dem Bericht herausgelesen und genutzt werden können.

Für die Fortgeschrittenen fanden am 13. und 14. Februar zwei Ehrenamtsschulungen statt – eine Tagung in der Volksbank Lingen und eine weitere in der Genossenschaftsakademie Weser-Ems in Rastede.

Inhaltlich waren die Informationstage mit identischen Themen besetzt. Über die positive wirtschaftliche Lage und die Entwicklungen unseres Verbandes referierten die Verbandsdirektoren Johannes Freundlieb und Axel Schwengels im Wechsel. Einen Schwerpunkt bildete die Rolle des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV) und der Regionalverbände. Ein weiteres Themenfeld war die Afrikanische Schweinepest (ASP). In diesem Zusammenhang wurde über den aktuellen Stand der Krisenpläne der Wirtschaft sowie über das ASP-Krisenhandbuch des DRV berichtet, an dessen Entwicklung unser Verband aktiv mitwirkte.

Aktuelles aus der Rechnungslegung
Prüfungsdienstleiter Reinke informierte über aktuelle Änderungen in der Rechnungslegung. Dabei gab er zahlreiche handelsrechtliche Hinweise. Im Zusammenhang mit der Änderung des Genossenschaftsrechts im Juli 2017 gab er wichtige Anmerkungen zur Beitrittserklärung, um späteren Problemen beim Eigenkapital durch Neumitglieder vorzubeugen. Dazu gehöre, so Reinke, dass Beitrittserklärungen ausdrücklich darauf hinweisen müssen, wenn es neben der Zahlung auf den Geschäftsanteil weitere Zahlungspflichten gibt (z. B. ein Eintrittsgeld) oder die Kündigungsfrist länger als ein Jahr dauert. Bei der steuerlichen Betriebsführung ist laut Reinke zu beachten, dass die Warenbewertung einen neuen Schwerpunkt einnehme und in die Betriebsprüfung einbezogen werde. In Bezug auf die neue Gebührenordnung im Bereich der Futtermittelüberwachung werde mit Rückforderungen aus den Jahren 2014 bis 2018 zu rechnen sein und Reinke stellte dazu auch die neue Gebührentabelle vor. Auch das  Verpackungsgesetz wurde vom Referenten thematisiert. Es ersetzt seit 2019 die Verpackungsverordnung und umfasst neue Bestimmungen zur Verpackungsrücknahme.

Weiterer Programmpunkt des Tages waren die Kontrollaktivitäten von Vorstand und Aufsichtsrat. Dabei ging Reinke eingehend auf Prüfungsmöglichkeiten und -verpflichtungen des Aufsichtsrats ein.

Nach einer Mittagspause ging es weiter mit Christoph Krieger vom Vorstandsstab unseres Verbandes. Er widmete sich den  Anforderungsprofilen für ehrenamtliche Vertreter in Vorstand und Aufsichtsrat. Dabei stand die Frage im Fokus, was Ehrenamt und Geschäftsführer bzw. geschäftsführender Vorstand voneinander erwarten und was ihre jeweiligen Aufgaben sind. Auf den Ehrenamtstagungen und Geschäftsführertagungen 2018 wurden den Teilnehmern diese Fragen gestellt. Die Ergebnisse stellte Krieger anschaulich vor.

Anforderungsprofil für Ehrenamt erarbeitet
Auf dieser Basis schloss sich ein interaktiver Teil an. Die Teilnehmer der diesjährigen Informationstagungen wurden aufgefordert, einen Anforderungskatalog für das Ehrenamt anhand verschiedener Kompetenzkriterien zu formulieren. Der genossenschaftliche Gedanke, in der Gemeinschaft mehr zu erreichen und die Identifikation mit genossenschaftlichen Werten waren dabei nur zwei von vielen genannten Kompetenzen. Ein diskutierter Punkt war in dem Zusammenhang, wie auch künftig der Nachwuchs für Ehrenämter begeistert und die Attraktivität der Genossenschaften im Allgemeinen erhalten werden kann. Die Ergebnisse der Ehrenamtstagung fließen erneut in die folgende Geschäftsführertagung ein, auf der das Anforderungsprofil und Aufgaben der Ehrenämter weiter konkretisiert werden sollen. Künftiges Ziel ist, daraus einen Anforderungskatalog für Ehrenämter zu erstellen.

Aktuelle Marktentwicklungen
Den Abschluss des Tages machte Dr. Albert Hortmann-Scholten, Leiter Fachbereich Markt der Landwirtschaftskammer in Niedersachsen. Er berichtete aus seinem Ressort über die Marktentwicklungen bei der Tiervermarktung, der Milcherzeugung und -vermarktung, Futterwirtschaft sowie über den Markt erneuerbarer Energien. Auch die Afrikanische Schweinepest (ASP) und ihre weltweite Verbreitung wurden thematisiert. Gegen die ASP werde es, so Hortmann-Scholten, in den nächsten fünf bis zehn Jahren keinen Impfstoff geben. Der Virus habe eine außergewöhnliche Widerstandsfähigkeit und ist sogar UV-beständig. Risikofaktoren für die Verbreitung sind vor allem Grünfutter und Einstreu. Warengenossenschaften werden sich mit Desinfektionsanlagen beschäftigen müssen.

In Bezug auf das staatliche Tierwohllabel prophezeite er, dass sich das Label nicht auf den Schweinemarkt beschränken werde, sondern auch Rind und Geflügel betreffen wird. Zur Kaufbereitschaft von Fleisch mit Tierwohllabel zitierte er die Studie der Universität Osnabrück.

Laut Hortmann-Scholten werden Nichtregierungsorganisationen (NGOs), wie der Deutsche Tierschutzbund, auch künftig eine wesentliche Rolle im Meinungsbildungsprozess spielen und auch den Lebensmitteleinzelhandel weiter beeinflussen.

Aus den Rückmeldungen aller Teilnehmer ergab sich, dass sie mit dem Konzept der Ehrenamtsschulungen sehr zufrieden waren und durch die gewonnenen Informationen gestärkt ihre Tätigkeit als ehrenamtliche Organmitglieder fortsetzen können.