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Informationstagungen für Aufsichtsratsmitglieder von Genossenschaftsbanken

veröffentlicht im Genossenschafts-Magazin Weser-Ems, Ausgabe 03/2019

Im Februar fanden wieder die alljährlichen Informationstagungen unseres Verbandes für Aufsichtsratsmitglieder statt. Wir konnten die Teilnehmer zu drei Veranstaltungen in der Genossenschaftsakademie in Rastede begrüßen. Das Programm der ganztägigen Tagungen war identisch.

 © GVWE
Verbandsdirektor Johannes Freundlieb zeichnete ein Zukunftsbild für Kreditinstitute.

Nach der Begrüßung sprachen die Verbandsdirektoren Johannes Freundlieb und Axel Schwengels im Wechsel zum Thema „Zukunft des regionalen Bankgeschäfts – auf dem Weg zur Kundenbank“. Was will der Kunde in der Zukunft? Welche Megatrends werden die Geschäftsmodelle beeinflussen? Wie wird die nachhaltige Rentabilität der Volksbanken und Raiffeisenbanken in Zukunft gesichert? Diese sind nur einige strategische Grundsatzfragen, die in einem Strategieprozess des BVR mit seinen Gremien identifiziert wurden. Insgesamt wurden in der Strategieagenda sechs Themenfelder für die Zukunft definiert und diese mündeten in die Strategie 2030. Sie bildet die Grundlage für die Entwicklung von konkreten Handlungsempfehlungen.

Im weiteren Verlauf der Tagung gaben die Referenten einen Überblick, welches Zukunftsbild für Kreditinstitute von einschlägigen Studien gezeichnet wird. „Der Mensch wird nie ganz verschwinden im Bankgeschäft. Gerade als Regionalbank hat man gute Chancen zu überleben, wir müssen aber stark daran arbeiten,“ sagte Freundlieb. Die Technik und die Digitalisierung sind dabei wesentliche Treiber. Prozesse müssen hier vom Kunden gedacht werden, um sich erfolgreich von der Ordnungsbank zur Kundenbank zu entwickeln. Plattformen spielen dabei eine wesentliche Rolle. Die Umsetzung in den Volksbanken und Raiffeisenbanken vor Ort sollte dabei regional-agil erfolgen. Er betonte besonders, dass bei allen Veränderungen die Mitarbeiter in den Veränderungsprozess eingebunden werden müssen.

Institutsvergütungsverordnung – Überblick und Vergütungsgrundsätze
Abteilungsleiter Dieter Diener, Abteilung Unternehmensberatung unseres Verbandes, und Rechtsanwalt Jens Stutz referierten über die Umsetzung der Institutsvergütungsverordnung und Dienstverträge des Vorstands.

Relevante Neuregelungen bei der Institutsvergütungsverordnung sprach Stutz an. Er stellte vier Handlungsfelder für den Aufsichtsrat in Bezug auf die Institutsvergütungsverordnung vor:

Vergütungsgrundsätze für die Vorstände

Anpassungsverpflichtung der Dienstverträge, die nach dem 4. August 2017 geschlossen wurden

Hinwirkungsverpflichtung bei Altverträgen zu Neuanpassungen

Allgemeine Aufsichtsverpflichtung zur Einhaltung der Verordnung

Das Handlungsfeld zu Vergütungsgrundsätzen des Vorstands konkretisierte so-dann Diener. Er stellte die Anforderungen vor und gab wichtige Hinweise, wie Vergütungssysteme für den Vorstand zu entwickeln und zu dokumentieren sind. Dazu stellte er die vom Verband erarbeiteten Grundsätze zu den Vergütungssystemen für Geschäftsleiter vor, die als Muster zur Verfügung stehen. Vergütungssysteme müssen regelmäßig überprüft und angepasst werden. In dem Zusammenhang wies er auch auf die vom Verband erstellte Übersicht der Jahresbezüge von Vorständen (Vergütungsspiegel) hin, die für Aufsichtsratsmitglieder eine Hilfestellung zur jährlichen Überprüfung von Vorstandsbezügen sein kann.

Abmahnvereine und ihre Arbeitsweise
Nach der Mittagspause ging Rechtsanwalt Sönke Stender auf das Thema „Bankentgelte im Fokus – wohlverstandener Verbraucherschutz oder Abzockerei?“ ein und befasste sich mit Abmahnungen von Abmahnvereinen. Abmahnungen von Banken wegen angeblich unrechtmäßiger Leistungsentgelte nehmen seit einiger Zeit an Häufigkeit zu. Wie Abmahnvereine vorgehen, zeigte Stender anschaulich am Beispiel der Schutzgemeinschaft für Bankkunden e.V. Weiter informierte er über den üblichen Aufbau von Abmahnschreiben und Unterlassungserklärungen. Der Vortrag endete damit, wie Banken am besten auf Abmahnungen reagieren, denn Unterlassungserklärungen sollten nicht vorschnell unterzeichnet werden. Unser Verband ist hier ein kompetenter Ansprechpartner für seine Mitglieder, prüft eingegangene Abmahnungen und verfasst Antwortschreiben.

„Best-of“ aus Prüfung und Regulatorik
Zum Abschluss der Tagung stellte Prüfungsdienstleiter Stefan Grüterich ein „Best-of“ aus Prüfung und Regulatorik für den Aufsichtsrat vor. Besonderes Augenmerk legte er auf die Erläuterung der Elemente der Eigenmittelfestsetzung und in dem Zusammenhang auf die Anwendung des aufsichtlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozesses (Supervisory Review and Evaluation Process – SREP). Dabei erfolgt eine Bewertung der Eigenmittelausstattung hinsichtlich Gewährleistung einer ausreichenden Abdeckung der kapitalisierbaren Risiken. In einem dreijährigen Rhythmus beurteilt die Aufsicht, ob ein SREP-Zuschlag notwendig ist. Unsere Mitgliedsbanken sind nach Aussagen von Grüterich gut aufgestellt, denn die SREP-Zuschläge seien bis dato niedrig. Weiter informierte er die Tagungsteilnehmer über Änderungen bei Informationspflichten des Vorstands an den Aufsichtsrat hinsichtlich Mitarbeiterwechsel mit Risikocontrolling-Funktion, Compliance-Funktion und Interne Revision. Auch im Bereich der Risikobeurteilung gab es für die Aufsichtsratsmitglieder interessante Neuerungen: Intern spiele eine Risikokultur und die Entwicklung eines Verhaltenskodexes eine zunehmend größere Rolle. Es werde vom Aufsichtsrat erwartet, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen. Dazu gehöre auch, dass Risikoberichte zeitnah, regelmäßig und aussagekräftig verfasst werden. Die Risikosituation muss nachvoll-ziehbar sein, damit der Bericht als Steuerungselement genutzt werden kann. Es folgte dazu ein Überblick in die Neuausrichtung bankinterner Risikotragfähigkeitskonzepte (ICAAP) mit seinen Grund-elementen. Der Verband empfiehlt in diesem Zusammenhang die barwertnahe RTF-Berechnung.

Im Bereich der Regulatorik gab er ein Update zu Basel IV und CRR II und einen Ausblick auf die wesentlichen Inhalte der CRR II. Neuerungen werden kurzfristig auch bei den sogenannten Non Performing Loans (NPL) zu erwarten sein. Dazu erfolge in absehbarer Zeit eine weitere Konkretisierung der NPL-Positionen, wann ein Kredit als ausfallgefährdet gelte. Laut Grüterich komme hier den Aufsichtsräten künftig eine besondere Kontrollfunktion zu. „Kritisches Vertrauen als Grundlage der Zusammenarbeit“ zwischen Vorstand und Aufsichtsrat war insgesamt das Fazit von Grüterich.