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Stabile Entwicklung in herausfordernden Zeiten: Genossenschaften behaupten sich 2025

veröffentlicht im Genossenschafts-Magazin Weser-Ems, Ausgabe 05/2026

Im Jahr 2025 behaupteten sich die Ländlichen Genossenschaften und Energiegenossenschaften bei unveränderten Herausforderungen wirtschaftlich stabil – mit Umsatzwachstum im Energiebereich und soliden Ergebnissen im ländlichen Raum.

Das Geschäftsjahr 2025 war für die Ländlichen Genossenschaften und Energiegenossenschaften von einer insgesamt stabilen wirtschaftlichen Entwicklung geprägt. Trotz anhaltend anspruchsvoller Rahmenbedingungen konnten die Genossenschaften ihre zentrale Rolle als verlässliche Wirtschaftspartner im ländlichen Raum erneut unter Beweis stellen. Die Herausforderungen des Vorjahres blieben dabei weitgehend bestehen und wurden mit angepassten Strategien und hoher Anpassungsfähigkeit bewältigt.

Ländliche Genossenschaften: Stabilität unter anspruchsvollen Rahmenbedingungen

Die ländlichen Genossenschaften erzielten im Jahr 2025 in den Bereichen Ware, Vieh, Molkerei, Obst/Gemüse und BÄKO erneut erhebliche Umsätze. Besonders die Molkereigenossenschaften stellten mit einem Umsatz von über 7,2 Mrd. Euro einen bedeutenden Wirtschaftsbereich dar. Auch die Warengenossenschaften erreichten mit rund 2,7 Mrd. Euro ein hohes Umsatzniveau, getragen vor allem durch Futtermittel, die Vermarktung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen und Betriebsmitteln sowie Brenn-, Treib- und Schmierstoffe.

 

Die wirtschaftliche Entwicklung war jedoch stark von branchenspezifischen und externen Faktoren beeinflusst. In der Milchwirtschaft wirkten sich tierseuchenbedingte Einschränkungen, insbesondere durch die Blauzungenkrankheit sowie zeitweise Exportstopps infolge der Maul- und Klauenseuche, belastend aus. Gleichzeitig führten hohe weltweite Milchmengen und ein deutlicher Preisverfall im zweiten Halbjahr 2025 zu einem Rückgang des Milchgeldes. positiv zu vermerken ist die weiterhin steigende Nachfrage an Bioprodukten, inbesondere Bio-Trinkmilch.

Im Viehbereich zeigten sich sehr unterschiedliche Marktverläufe. Während bei Schlachtrindern aufgrund knapper Angebote Rekordpreise erzielt wurden, geriet der Schweinemarkt im Jahresverlauf zunehmend unter Druck. Ein hohes Angebot bei gleichzeitig schwacher Nachfrage führte zu deutlichen Preisrückgängen. Der Strukturwandel setzte sich auch hier fort, begleitet von weiteren Betriebsschließungen und Herausforderungen in den Schlacht- und Vermarktungsstrukturen. Der Geflügelbereich hingegen entwickelte sich weiterhin positiv mit stabiler Nachfrage und festen Preisen.

Die Warengenossenschaften verzeichneten insgesamt stabile Umsätze, jedoch rückläufige Betriebsergebnisse. Ursache hierfür waren insbesondere gestiegene Kosten für Energie, Logistik und Personal. Der anhaltende Strukturwandel in der Landwirtschaft, steigende Betriebsgrößen und komplexe politische und rechtliche Rahmenbedingungen belasteten die Ertragslage zusätzlich. Inter nationale Konflikte und geopolitische Unsicherheiten erhöhten zudem die Volatilität an den Agrarmärkten

Energiegenossenschaften: Umsatzwachstum trotz rückläufiger Mitgliederzahlen

Die Energiegenossenschaften konnten im Jahr 2025 ihre wirt schaftliche Leistungsfähigkeit weiter ausbauen. Der Gesamtum satz stieg deutlich auf rund 185,9 Mio. Euro an. Diese Entwicklung ist unter anderem auf Umsatzsteigerungen in der Netzversorgung zurückzuführen.

Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien lag insgesamt leicht unter dem Vorjahresniveau. Die Stromproduktion aus Pho tovoltaik und Windenergie ging moderat zurück, was unter anderem witterungsbedingte Ursachen hatte. Dennoch blieb das erzeugte Gesamtvolumen auf einem hohen Niveau und bestätigte die weiterhin zentrale Rolle der Energiegenossenschaften bei der regionalen Umsetzung der Energiewende.

Ein Rückgang war hingegen bei den Mitgliederzahlen zu verzeichnen. Dieser ist im Wesentlichen auf die Liquidation einer größeren Energiegenossenschaft zurückzuführen, die einen einmaligen signifikanten Effekt auf die Gesamtstatistik hatte. Unabhängig davon zeigte sich im Jahr 2025 eine hohe Dynamik bei Neugründungen: Acht neue Energiegenossenschaften wurden gegründet und stärkten die genossenschaftliche Beteiligung von Bürgerinnen, Bürgern und Kommunen an der Energiewende.

Herausforderungen und Ausblick

Die Herausforderungen für die Energiegenossenschaften blieben im Vergleich zu 2024 weitgehend unverändert. Dazu zählen insbesondere regulatorische Unsicherheiten, der zunehmende bürokratische Aufwand, Engpässe im Netzausbau sowie langwierige Genehmigungsverfahren. Zudem stellen das Auslaufen von EEG-Förderungen für Bestandsanlagen und sinkende Einspeisevergütungen bei gleichzeitig steigenden Kosten eine wachsende Belastung dar. Positiv wirkte sich hingegen die zunehmende Direktvermarktung aus, die zu einer höheren wirtschaftlichen Autonomie beitrug.

Für das Jahr 2026 erwarten die Genossenschaften weiterhin ein anspruchsvolles Umfeld. Der Fokus liegt auf der Stabilisierung bestehender Geschäftsmodelle, dem Ausbau von Speicherkapazitäten, der Modernisierung der Netzinfrastruktur sowie der Sicherung einer nachhaltigen Wirtschaftlichkeit. Gleichzeitig bleibt die aktive Einbindung der Bevölkerung ein zentrales Element des genossenschaftlichen Handelns.

Insgesamt zeigt das Jahr 2025, dass die ländlichen Genossenschaften und Energiegenossenschaften trotz anhaltender struktureller und wirtschaftlicher Herausforderungen ihre Leistungsfähigkeit behauptet und wichtige Impulse für die Entwicklung des ländlichen Raums und die Energiewende gesetzt haben.