Praxis erleben: Schülerfirmenmesse in Lingen
veröffentlicht im Genossenschafts-Magazin Weser-Ems, Ausgabe 06/2026
Anfang Mai wurde das Lookentor in Lingen zum Treffpunkt für unternehmerischen Nachwuchs aus dem südlichen Emsland und der Grafschaft Bentheim. Bei der 7. Schülerfirmenmesse präsentierten 19 Schülerfirmen ihre Ideen, Produkte und Dienstleistungen – und zeigten eindrucksvoll, wie praxisnah modernes Lernen sein kann.
Schülerfirmen bieten Jugendlichen die Möglichkeit, wirtschaftliche Zusammenhänge nicht nur theoretisch zu erlernen, sondern aktiv zu erleben. Genau diesen Ansatz machte die Schülerfirmenmesse in Lingen sichtbar: Schülerinnen und Schüler schlüpften in die Rolle von Unternehmerinnen und Unternehmern, stellten ihre Projekte vor und führten eigenständig Gespräche mit potenziellen Kunden.
Wie Verbandsdirektor Johannes Freundlieb in seinem Grußwort betonte, lernen die Jugendlichen in diesen Projekten „direkt, wie ein Unternehmen funktioniert“ – von Marketing und Organisation bis hin zu Kundenkontakt und finanziellen Entscheidungen. Damit wird Schule um eine wertvolle Dimension ergänzt: praxisnahes Lernen, das Eigeninitiative, Verantwortung und Teamarbeit fördert.
Zentrale Bühne im Herzen der Stadt
Ein entscheidender Erfolgsfaktor der diesjährigen Messe war der Veranstaltungsort. Mit dem Lookentor als zentralem Einkaufszentrum in Lingen wurde bewusst eine starkfrequentierte Umgebung gewählt. Die Schülerfirmen konnten so ihre Angebote nicht nur untereinander, sondern vor allem einer breiten Öffentlichkeit präsentieren. Die exponierte Lage ermöglichte zahlreiche Gespräche mit Passanten und potenziellen Kundinnen und Kunden. Für die jungen Gründerinnen und Gründer war dies eine ideale Gelegenheit, ihre Produkte zu erklären, Feedback einzuholen und erste Vertriebserfahrungen zu sammeln.
Vielfalt der Ideen und Projekte
Die Bandbreite der präsentierten Schülerfirmen war beeindruckend und reichte weit über klassische Schulprojekte hinaus. Vorgestellt wurden sowohl Dienstleistungen als auch innovative Produkte – von sozialem Engagement bis hin zu technisch anspruchsvollen Lösungen.Reinhold Tattermusch, Regionalkoordinator für nachhaltige Schülerfirmen im südlichen Emsland und in der Grafschaft Bentheim , zeigte sich ebenso begeistert wie Jürgen Hölscher, Vorstand der Emsländischen Volksbank eG, und Verbandsdirektor Johannes Freundlieb. Besonders hervorgehoben wurde die große Spannbreite der Projekte:
- Betreuung und Unterstützung von Grundschulkindern
- Reparatur und Wartung von Landmaschinen
- Bau und Programmierung eines humanoiden Roboters
- Einsatz moderner Technologien wie 3D-Druck
Diese Vielfalt verdeutlicht, wie breit das Spektrum unternehmerischer Ansätze bereits im schulischen Kontext sein kann – und wie ernsthaft die Schülerinnen und Schüler ihre Projekte verfolgen.
Schülergenossenschaften als besonderes Modell
Ein Teil der präsentierten Unternehmen waren Schülergenossenschaften, die nach genossenschaftlichen Prinzipien organisiert sind. Die Emsländische Volksbank eG begleitet aktuell vier solcher Schülergenossenschaften in der Region und unterstützt sie bei Aufbau und Entwicklung. Hier steht nicht nur wirtschaftlicher Erfolg im Vordergrund, sondern auch gemeinschaftliches Handeln. Entscheidungen werden demokratisch getroffen, Verantwortung wird geteilt. Damit vermitteln Schülergenossenschaften zentrale Werte wie Mitbestimmung, Solidarität und nachhaltiges Wirtschaften bereits in jungen Jahren.
Wettbewerb fördert Präsentationsstärke
Ein besonderes Highlight der Messe war ein Pitch-Wettbewerb, bei dem vier Schülergenossenschaften ihre Projekte auf der Bühne präsentierten. In kurzen, prägnanten Beiträgen stellten sie ihre Ideen vor und überzeugten mit Kreativität und Professionalität. Die Präsentationen zeigten eindrucksvoll, wie sicher viele der Jugendlichen bereits auftreten und ihre Konzepte vermitteln können. Alle teilnehmenden Teams wurden für ihre Leistungen ausgezeichnet – ein zusätzlicher Anreiz, sich intensiv auf die Messe vorzubereiten.
Parallel dazu wurden die Messestände von Referendarinnen des Studienseminars in Nordhorn bewertet. Kriterien wie Gestaltung, Inhalt und Kundenansprache flossen in die Bewertung ein und gaben den Schülerinnen und Schülern wertvolles Feedback zu ihrer Arbeit.
Lernen für die Zukunft
Die Schülerfirmenmesse machte deutlich, welchen Bildungswert solche Projekte haben. Neben fachlichen Kenntnissen erwerben die Jugendlichen wichtige Schlüsselkompetenzen: Kommunikationsfähigkeit, Teamarbeit, Selbstständigkeit und Problemlösungskompetenz. Zugleich tragen viele Projekte auch soziale oder nachhaltige Aspekte in sich – ein wichtiger Beitrag zur Bildung für nachhaltige Entwicklung. Dass Schülergenossenschaften für ihr Engagement bereits mit einer nationalen Auszeichnung gewürdigt wurden, unterstreicht diese Bedeutung. Für viele der Beteiligten bietet die Arbeit in Schülerfirmen zudem eine wertvolle Orientierung für den weiteren beruflichen Weg
