Vom regionalen Modell zur bundesweiten Plattform: stroya bringt Mieterstrom in die Fläche
veröffentlicht im Genossenschafts-Magazin Weser-Ems, Ausgabe 06/2026
Was als Initiative einer Genossenschaftsbank begann, entwickelt sich zu einem skalierbaren Geschäftsmodell für die Energiewende: Mit stroya wird Mieterstrom aus Mehrfamilienhäusern bundesweit verfügbar – getragen von genossenschaftlicher Zusammenarbeit und digitalem Plattformansatz.
Die Ursprünge von stroya liegen im Emsland: Die Volksbank Haselünne eG hat 2022 mit der Gründung der Mieterstrom Hasetal GmbH auf konkrete Kundenbedarfe reagiert. Ziel war es, Photovoltaikstrom direkt zu Mietern zu bringen – ein naheliegendes Konzept, das in der Praxis jedoch lange an komplexen Prozessen gescheitert ist.
„Unsere Immobilienkunden haben uns um Unterstützung gebeten“, erläutert Marco Kurlemann von der Volksbank. Da es keinen geeigneten Anbieter gab, entwickelte die Bank selbst eine Lösung weiter – zunächst regional, dann Schritt für Schritt skalierbar.
Nach mehreren erfolgreich umgesetzten Projekten wurde das Modell gemeinsam mit amberra sowie weiteren Partnern strategisch weiterentwickelt. Mit der Umfirmierung zu stroya erfolgt nun der konsequente nächste Schritt: die bundesweite Ausweitung.
Mieterstrom als ungenutztes Potenzial
Das Konzept hinter stroya ist einfach: Strom aus Photovoltaikanlagen auf Mehrfamilienhäusern wird direkt vor Ort genutzt. Trotz dieses naheliegenden Ansatzes bleibt das Potenzial bislang weitgehend ungenutzt. Weniger als ein Prozent der geeigneten Dachflächen wird aktuell für Mieterstrom genutzt – gleichzeitig könnten Millionen Mieterinnen und Mieter davon profitieren. Die Gründe liegen vor allem in der Komplexität der Umsetzung. Planung, Finanzierung, Betrieb und Abrechnung sind bislang fragmentiert und aufwendig. Genau hier setzt stroya an und bündelt diese Prozesse in einem integrierten Ansatz.
Full-Service als Schlüssel zum Erfolg
stroya versteht sich als Full-Service-Anbieter, der sämtliche Schritte aus einer Hand organisiert – von der technischen Konzeption über die Einbindung regionaler Handwerkspartner bis hin zur rechtssicheren Abrechnung. Dieses Modell vereinfacht die Umsetzung erheblich und schafft klare Vorteile für alle Beteiligten: Eigentümer profitieren von zusätzlichen Einnahmen und einer Aufwertung ihrer Immobilie, während Mieter Strom direkt vom eigenen Hausdach beziehen können.
„Wir haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass Mieterstrom wirtschaftlich funktioniert“, betont Geschäftsführer Roman Ginzburg. „Jetzt geht es darum, dieses Modell in die Breite zu bringen.“
Genossenschaftliche Zusammenarbeit als Treiber
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor liegt in der engen Einbindung der genossenschaftlichen FinanzGruppe. Mit amberra, dem Corporate-Venturing-Studio der Volksbanken und Raiffeisenbanken, wurde das ursprünglich regionale Modell gezielt in eine skalierbare Plattform überführt. Dabei übernehmen Genossenschaftsbanken eine zentrale Rolle – nicht nur als Finanzierungspartner, sondern auch als Vertriebspartner und Multiplikatoren. Durch ihre regionale Verankerung bringen sie Mieterstromlösungen aktiv in den Markt und nutzen zugleich ihre Nähe zu Immobilienkunden. „stroya hat seine Wurzeln in unserer Region und zeigt, wie genossenschaftliche Zusammenarbeit funktionier", so Kurlemann. Das Modell sei aus der Praxis heraus entstanden und decke einen konkreten Bedarf der Kunden ab.
Wachstumsfeld Energiewende im Gebäudebestand
Mit der bundesweiten Skalierung adressiert stroya ein zentrales Zukunftsthema: die Energiewende im Gebäudesektor. Steigende Energiepreise verstärken den Bedarf nach Lösungen, die Strom direkt vor Ort erzeugen und nutzen. Bereits heute versorgt das Unternehmen mehrere hundert Haushalte mit lokal erzeugtem Strom. Angesichts von rund 40 Millionen Menschen, die in Deutschland zur Miete wohnen, zeigt sich das enorme Wachstumspotenzial.
Perspektive: Ausbau und Netzwerkbildung
Für die weitere Entwicklung setzt stroya auf den Ausbau eines bundesweiten Netzwerks. Ziel ist es, gemeinsam mit Genossenschaftsbanken, regionalen Partnern und Investoren die Umsetzung von Mieterstromprojekten deutlich zu beschleunigen. Gespräche mit weiteren Partnern laufen bereits. Damit bleibt das Modell zwar eng mit seinen regionalen Wurzeln
verbunden, entwickelt sich aber gleichzeitig zu einer Plattform mit nationaler Reichweite.
Innovation aus der Region für den Gesamtmarkt
stroya zeigt exemplarisch, wie aus einer regional entwickelten Lösung ein skalierbares Geschäftsmodell entstehen kann. Die Kombination aus genossenschaftlicher Zusammenarbeit, digitaler Plattform und konkretem Kundennutzen bietet dabei eine überzeugende Antwort auf zentrale Herausforderungen der Energiewende. Oder, wie es Roman Ginzburg formuliert: Jetzt geht es darum, aus einem funktionierenden Modell eine flächendeckende Lösung zu machen – für Eigentümer, Mieter und die Energieversorgung von morgen.
